• "Lok 2000": Nicht schick genug: Die Kunst-Lok des Metallkünstlers Achim Kühn wurde nach elf Jahren aus dem Ostbahnhof verbannt

Berlin : "Lok 2000": Nicht schick genug: Die Kunst-Lok des Metallkünstlers Achim Kühn wurde nach elf Jahren aus dem Ostbahnhof verbannt

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Elf Jahre stand sie in der Empfangshalle des Ostbahnhofs, dann wurde sie eingelagert, weil sie nicht mehr ins Konzept passt: die "Lok 2000" des Treptower Bildhauers Achim Kühn. In den Reinbeckhallen in Oberschöneweide hat das neun Tonnen schwere Kunstwerk eine vorläufige Heimat gefunden. Ein Jahr lang ist sie in der ehemaligen Industriehalle des Transformatorenwerkes Oberspree zu sehen.

Der Künstler betrachtet den Umzug allerdings mit gemischten Gefühlen. "Ich bin traurig, dass mein Werk nicht wieder seinen ursprünglichen Platz am Ostbahnhof einnehmen kann", bedauert der 57-Jährige. Schließlich hat er die 3,6 Meter hohe und 5,5 Meter lange Lok 1989 im Auftrag der Deutschen Reichsbahn gebaut. Andererseits ist er froh, dass die mehr als 30 Einzelteile nun wieder zusammengefügt wurden. Kühn glaubt, dass ohne seine Bemühungen die Lok verschrottet worden wäre.

Die Deutsche Bahn AG weist diesen Vorwurf zurück. "Wir haben das Kunstwerk eingelagert und schätzen es als wertvolles Zeitdokument", erklärt Sprecher Achim Stauß. Im umgestalteten Ostbahnhof sei aber dafür kein Platz mehr. "Es passt nicht in das moderne, lichtdurchflutete Design". Die Lok würde dort als Fremdkörper wirken. Die Deutsche Bahn AG sei aber daran interessiert, gemeinsam mit dem Kunstschmied nach einem endgültigen Standort zu suchen.

Helgard Kühn, die Ehefrau und Managerin des Metallkünstlers hofft, dass sich in dem einen Ausstellungsjahr in den Reinbeckhallen an der Wilhelminenhofstraße, jemand findet, der das Gefährt "künftig im öffentlichen Raum zeigt". Es sei erschreckend, wie mit Kunstwerken umgegangen wird, sagt sie. "Man entfernt ohne Respekt einfach die Arbeit eines Menschen." Aus der Zeitung habe sie vom Umbau des Ostbahnhofs erfahren und anhand der Modelle gemerkt, dass die Lok nicht mehr vorgesehen ist. Ihr Mann sei darüber nie in Kenntnis gesetzt worden. Als sich zufällig das Kulturwerk Oberschöneweide an Kühn wandte, um die Reinbeckhallen mit Metallkunst auszugestalten, wurde die Idee des Zwischenstopps geboren.

Für Kühn hat das Kunstwerk noch eine besondere Bedeutung: Vor elf Jahren kombinierte er erstmalig historische Teile mit Edelstahl. Die alten Räder, Federn und Schienen erhielt er aus der dem Reichsbahnausbesserungswerk im thüringischen Meiningen, das Dampfloks repariert.

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