Berlin : Loriot siegte mit der Macht des Lächelns

Prominente, Tanz und schöne Kleider: Die 11. festliche Operngala zu Gunsten der Aids-Stiftung in der Deutschen Oper war der gesellschaftliche Höhepunkt des Wochenendes

Elisabeth Binder

„Noch Fragen?“ Mit diesem Satz durfte ein scheinbar tapsiger Loriot in die letzten Klänge des Finales von „Candide“ hineinplatzen. Der erlösende Beifall wuchs sich rasch orkanartig zu einer stehenden Ovation aus. Über letzte und allerletzte Male sollen Menschen vielleicht nicht voreilig entscheiden, auch davon musste später an diesem Samstagabend die Rede sein. „Wir haben eine große Freundin verloren“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit über die vor einigen Monaten freiwillig aus dem Leben geschiedene Mitinitiatorin der Gala in der Deutschen Oper. „Ich bin sicher, dass Irina Pabst heute bei uns ist und sich freut, dass die 11. Gala wieder ein großer Erfolg wird.“ Und das wurde sie nach einigen Korrekturen, etwa der Vorverlegung der Scheckübergabe. Werner Martin, der Erfinder der Brandenburgischen Sommerkonzerte, war bei fast allen Aidsgalas dabei und gehört zu denen, die stetige Verbesserungen zu schätzen wissen.

„Vom Leben zwischen Extremen“, durch das die Musik uns begleitet, sprach die Intendantin der Oper, Kirsten Harms. Auch die 11. Aidsgala war voll von Szenen, die den Unterschied zwischen Schein und Sein verdeutlichen und vielleicht den besonderen Reiz ausmachen. Es war schon spät, als die Begum Inaara Aga Khan, eine viel beachtete Persönlichkeit der internationalen Gesellschaft, kurz ihren Platz verließ und dann nicht mehr zurückkonnte, weil Fotografen, ihr die Rücken zuwendend, den Weg blockierten, um immer noch mehr Fotos von Loriot zu bekommen. Alle kosmetische Kunst der Welt kann offenbar nicht an gegen ein Gesicht, das die Faszination einer lebenslangen Hingabe an die Macht des Lächelns ausstrahlt.

Zur Aidsgala kommen längst Gäste aus allen Teilen des Landes, und sie erlebten Loriot in unglaublich guter Form. Mit federnden Schritten kam er auf die Bühne, manchmal, großes Kompliment für die Solisten, sogar selber applaudierend, zum Beispiel dem großartigen mexikanischen Tenor Rolando Villazon, der Arien aus „Der Liebestrank“ und „L’Arlesiana“ sang. Er ließ Turandot aus dem Nähkästchen plaudern und Elisabeth von Thüringen über die Baukosten der „teuren Halle“ sächseln, eigentlich unbeschreiblich, aber dafür sehr komisch.

Nach der Pause gab es eine Scheckübergabe, dezent moderiert von Maybrit Illner, bei der John Demsey, Präsident der M.A.C. Cosmetics, 100 000 Euro für die Aidsstiftung übergab und den schönen amerikanischen Satz sagte: „You can make a difference“, der bedeutet, dass jeder seinen eigenen Betrag leisten kann zu der Welt, in der er gerne leben möchte. Es war dann die Rede von wieder steigenden Infektionszahlen aufgrund einer neuen Sorglosigkeit, aber auch vom Erfolg, unter anderem mit dieser Gala, die an diesem Abend 400 000 Euro gebracht hat, die Krankheit Aids „aus der Schmuddelecke“ geholt zu haben. Immer mehr soziale Aufgaben werden mit dem Vehikel Glamour erledigt, und gerade an diesem Abend des Gedenkens an Irina Pabst lag die Frage nahe, wann jemand das Thema Depressionen aus der Tabuzone ins Rampenlicht holt.

Nach den Arien gab es interessante Essbarkeiten wie gelbe Cherry-Tomaten in Zitronen-Thymian-Sirup. US-Botschafter Dan Coats plauderte mit seinen britischen und russischen Amtskollegen und Klaus Wowereit abwechselnd mit Guido Westerwelle und den Top-Models Nadja Auermann und Linda Evangelista.

Schulsenator Klaus Böger und Abgeordnetenhauspräsident Walter Momper wandelten hinter der Bühne in den mit von innen beleuchteten Tischen partyelegant gestalteten Sitzlandschaften. Wie immer wurde wild getanzt bis in den frühen Morgen hinein. Der 81-jährige Loriot löste sich gegen eins von seinen Fans und verließ die Oper durch eine Tür für diejenigen, die unauflöslich dazugehören. Darüber steht: „Ausgang (nur) bei Gefahr“. Noch sind einige Fragen offen.

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