Luxus-Krankenhäuser : Vivantes setzt auf zahlungskräftige Patienten

Der landeseigene Vivantes-Konzern plant weitere Komfortkliniken. Im Gespräch sind die Standorte Schöneberg und Neukölln. Unterdessen stimmen die Pflegekräfte an der Charité über den Tarifkompromiss ab.

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Trostloser Anblick: Mehr Komfort soll zahlungskräftige Patienten in die Vivantes-Kliniken locken.
Trostloser Anblick: Mehr Komfort soll zahlungskräftige Patienten in die Vivantes-Kliniken locken.Foto: dpa

Der Klinikkonzern Vivantes will seine Häuser weiter ausbauen und setzt zunehmend auf zahlungskräftige Patienten. Nachdem Vivantes mit 6,3 Millionen Euro Überschuss 2010 das bisher erfolgreichste Jahr seiner zehnjährigen Geschichte hatte, plant die bundesweit größte kommunale Krankenhauskette, zwei weitere Komfortkliniken einzurichten, sagte Konzernchef Joachim Bovelet am Freitag. Diese könnten im Schöneberger Auguste-Viktoria-Klinikum und im Krankenhaus Neukölln entstehen.

Vergangenes Jahr hatte Vivantes in Spandau 1,5 Millionen Euro in eine Komfortstation mit 53 Betten investiert. Auch in Reinickendorf gibt es eine Komfortklinik. Sie zielen auf Zusatzversicherte und zahlungskräftige Patienten aus dem Ausland – etwa dem Nahen Osten und Russland – ab. Die Klinikkette hatte 2010 die Tochterfirma „Vivantes International Medicine“ gegründet, die außerdem Expertise ins Ausland vermitteln soll: So hat Vivantes mit Universitätskliniken in Saudi-Arabien und China Beraterverträge unterzeichnet.

Nicht alle sehen im Hotelstandard für Privatpatienten einen Segen. „Wir sollten uns besser auf unsere Stärke besinnen“, sagte Vivantes-Betriebsratschef Giovanni Ammirabile, „und das ist die Daseinsfürsorge in Berlin“. Rund ein Drittel aller Berliner Patienten lässt sich in einem der neun Vivantes-Krankenhäuser mit ihren insgesamt 13 500 Mitarbeitern versorgen: 2010 wurden 208 339 Patienten in die mehr als 5300 Betten aufgenommen, weitere 269 260 Patienten ambulant behandelt. Während es gegenüber 2009 mehr stationäre Patienten gab, haben ambulante Fälle abgenommen. Der Umsatz des Klinikkonzerns lag 2010 mit 836,5 Millionen Euro 6,5 Prozent höher als 2009. „Um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und die öffentliche Gesundheitsversorgung auch für die Zukunft zu sichern, müssen wir künftig mehr investieren, sowohl aus eigenen Mitteln als auch mit Landesmitteln. Hier muss sich das Land zu seiner Verantwortung bekennen“, erklärte Bovelet. In den kommenden fünf Jahren seien 300 Millionen Euro an Investitionen erforderlich.

Personalchef Manfred Rompf wies darauf hin, dass Vivantes einer der bundesweit größten Ausbilder im Gesundheitswesen sei, der auch andere Häuser mit dringend gesuchten Fachkräften versorge. Das klinikeigene Ausbildungszentrum verfügt über 765 Plätze für angehende Schwestern und Pfleger.

Derzeit verdient eine Vollzeit-Krankenschwester mit Schichtzulagen im Durchschnitt rund 2650 Euro brutto im Monat – und damit etwa 200 Euro mehr, als an der ebenfalls landeseigenen Charité gezahlt wird. Dort aber könnte sich das bald ändern: Bis Mittwoch werden die gewerkschaftlich organisierten Pflegekräfte über die zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Charité ausgehandelten Tarifeckpunkte abstimmen. Die Universitätsklinik hat ihren 10 000 nichtärztlichen Beschäftigten angeboten, die Löhne stufenweise bis Ende 2015 anzuheben, so dass schließlich 300 Euro mehr gezahlt werden, so wie es der Bundestarif vorsieht. Neu ist, dass die Klinik 50 Euro Monatsbonus für OP-Schwestern in Aussicht gestellt hat. Der Ausgang der Mitgliederbefragung über den Kompromiss ist ungewiss. Lehnt die Basis den Vorschlag ab – etwa weil die Lohnangleichung noch Jahre dauert – könnte ab Juni gestreikt werden. Anfang Mai hatten 2000 Pflegekräfte fünf Tage lang gestreikt. Pro Tag fielen bis zu 200 Behandlungen aus.

Anders als Vivantes ist die Charité seit Jahren verschuldet. Die Universitätsklinik schloss 2010 mit einem Minus von 17,8 Millionen Euro ab, für 2011 verlangt der Senat eine schwarze Null und eine engere Kooperation mit Vivantes. Beide Kliniken gehen davon aus, dass man bei gemeinsamen Einkäufen von Medikamenten und Instrumenten jährlich insgesamt 15 Millionen Euro sparen könne.

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