Berlin : Luxusnächte im Supermarkt buchen?

Schlosshotel-Direktorin von „Plus“-Aktion überrascht – Angebot soll zurückgezogen werden

Bernd Matthies

Es gibt kaum noch etwas, was die deutschen Discounter nicht zum Jubelpreis verkaufen. Warum nicht auch Hotelübernachtungen? Dennoch war Uta Felgner, die Direktorin des Dorint-Schlosshotels „Vier Jahreszeiten“ in Grunewald, einigermaßen schockiert, als sie im neuen Prospekt der Kette „Plus“ las, dass man dort ihr Haus im Angebot habe. Zwei Nächte pro Person im Doppelzimmer ab 189 Euro mit Frühstück, und das ab sofort bis zum Jahresende; dafür ist regulär glatt das Dreifache fällig. „Ich habe ja nichts gegen die Leute, die dann kämen“, sagt sie, „aber dass ein Luxushotel im Supermarkt verramscht wird, ist schlicht undenkbar.“ Der Berliner Hotelmarkt leidet seit langem unter dem niedrigen Preisniveau: Selbst die offiziellen Preise sind nur auskömmlich, wenn sie mit hohen Belegungsquoten einher gehen.

Die Direktorin, die erst seit Jahresbeginn in Grunewald amtiert, musste gestern stundenlang telefonieren, um den Sachverhalt aufzuklären. Offenbar gab es eine entsprechende Vereinbarung der Karstadt-Tochter Paneuropa mit einem ihrer Vorgänger. Sie äußerte sich gestern nur zum Ergebnis der Telefonate: Man habe sich zur Vermeidung juristischer Komplikationen darauf verständigt, dass „Plus“ das Angebot zurückziehe. Sie habe den Eindruck, sagte Uta Felgner, dass bisher auch noch keine Übernachtung verkauft worden sei. Auf der Internetseite des Discounters war das Angebot am Montagabend noch zu lesen.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass der bekannte Küchenchef Christian Lohse das Haus Ende März verlassen hat – auf eigenen Wunsch, wie es hieß. Lohse, der an einer früheren Wirkungsstätte bereits mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet worden war, hatte erst im vergangenen Herbst für das „Vivaldi“ im Schlosshotel erstmals einen Stern errungen und sich auch in den anderen kulinarischen Reiseführern schon weit nach vorn gearbeitet. Für derlei Erfolge sind hohe Personal- und Warenkosten notwendig, die sich über die Verkaufspreise zurzeit aber praktisch nicht wieder hereinholen lassen. In der Branche heißt es gerüchteweise, dass ein Streit in dieser Frage der Grund für den abrupten Ausstieg Lohses gewesen sei. Über seine Pläne ist bisher nichts bekannt. Auch einen Nachfolger gibt es noch nicht.

Die Direktorin sagte gestern, es müsse nun „der Ball flach gehalten werden“, um wieder Ruhe ins Hotel zu bringen. Das ehemalige Hotel Gehrhus war nach der Sanierung mehrere Jahre als Ritz-Carlton, dann kurze Zeit unter Regent-Lizenz betrieben worden, bevor die Dorint-Gruppe es unter dem alten Namen „Schlosshotel Vier Jahreszeiten“ weiterführte.

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