Berlin : Männer und Mäuse: Jahreskongress der Hacker

Stefan Jacobs

Der 22. „Chaos Communication Congress“ des Chaos Computer Clubs (CCC) begann am Dienstag mit Chaos: Erst streikten die Mikrofone, dann riss das drahtlose Netzwerk und schließlich blockierte auch noch die Internetseite zum Kongress. Am Mittag aber waren die Probleme behoben – und die jährliche Hacker-Konferenz in der Kongresshalle am Alex so gut besucht wie selten zuvor. Rund 1000 Menschen, die meisten von ihnen männlich, zwischen 18 und 30 Jahre alt, schmächtig und von fahlem Teint, waren in den drei Etagen unterwegs. In Herbergsvatermanier hatte ihnen ihre Ikone Tim Pritlove zur Begrüßung mitgegeben, dass sie zum Rauchen rausgehen, das denkmalgeschützte Gebäude schonen und nicht in den Computernetzwerken fremder Firmen wildern sollten: „Erst den Verstand einschalten, dann den Computer!“

Kilometer von Kabeln winden sich durchs Foyer, in dem die Hacker an ihren Laptops sitzen und auf der Maus herumklicken. Polnische und schwedische Gesprächsfetzen sind zu hören; viele Vorträge werden auf Englisch gehalten. Die sie hören wollen, sind Computerfans, die für freien Zugang zu Informationen und gegen Überwachung kämpfen. Die Themen reichen vom Urheberrecht bis zur „Internet-Wahl in Estland“.

Auch Georg aus Bochum hat sich vom Vortragsprogramm anlocken lassen. „Datenschutz ist ein wichtiges Thema. Innenminister Schily hat vorgemacht, wie der Staat versucht, die Leute zu kontrollieren“, sagt er. Beim viertägigen Kongress will Georg sich vor allem über Internet-Telefonie und die Gesundheitskarte informieren.

Im Untergeschoss gibt’s 100 blaue Leuchtdioden für zehn Euro, im Konferenzraum wird gehackt, dass die Firewalls rauchen und Wikipedia wirbt für die Internet-Enzyklopädie. Am Infotresen erkundigt sich einer mit Rucksack und Isomatte nach seinem Schlafplatz. Der ist diesmal nicht im Kongresszentrum, sondern in einer Turnhalle.

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