Berlin : Mai-Demo: Polizist warf Flasche in Richtung der Kollegen

Kerstin Gehrke

Es war der Eifer, der den Leipziger Polizeihauptmeister Michael B. im vergangenen Jahr zur "Revolutionären-1.-Mai-Demonstration" führte. "Ich wollte mir ansehen, wie die Berliner Polizei bei solchen Großveranstaltungen arbeitet, wie sie solch eine Demonstration kontrolliert", sagte der 28-jährige Sachse gestern vor dem Amtsgericht Tiergarten. Dort musste er sich verantworten, weil aus seiner privaten Stippvisite in Kreuzberg ein Fall des schweren Landfriedensbruchs und der versuchten Körperverletzung geworden sein soll.

Seit 1993 ist B. bei der Leipziger Polizei. Dort war er bis zum Mai vergangenen Jahres auf der Karriereleiter bis zum Vertreter des Leiters einer Hundertschaft aufgestiegen. "Ich war gerne Polizist", sagte B., der seit dem Vorfall in Berlin bei gekürzten Bezügen vom Dienst suspendiert ist.

In Kreuzberg sei es "von Null auf Hundert" zu Gewalttätigkeiten durch Demonstranten gekommen. "Ich ging hinter einer Polizeikette in Deckung, wurde aber trotzdem von einem Wurfgeschoss getroffen." Erst sei ihm schwarz vor Augen geworden, dann sei er in einen Park gelaufen. "Dort bin ich mit dem Fuß gegen eine Sektflasche gestoßen und habe sie dann mit voller Wucht weggeworfen", sagte der Sachse. Ziellos sei der Wurf gewesen, für den er sich schäme. "Es war eine für mich unerklärliche Reaktion."

Kurz darauf wurde Michael B. festgenommen. Das Gericht war von der Schuld des diensteifrigen Polizisten aus Leipzig überzeugt. Aus Wut habe er aus einer Entfernung von etwa fünf Metern eine Sektflasche in Richtung von Polizisten geworfen, hieß es im Urteil. Dabei habe sich B. am Rande einer Gruppe von etwa 40 Demonstranten aufgehalten, die ebenfalls Gegenstände geworfen hätten. Wegen schweren Landfriedensbruchs und versuchter Körperverletzung wurde der Sachse zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

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