Mammut-Prozess : Auftakt zum Prozess um Bankenaffäre

Mehr als vier Jahre nach dem Berliner Bankenskandal hat am Freitag der Prozess gegen den früheren CDU-Fraktionschef und Berlin-Hyp-Vorstand Klaus Landowsky (Foto) und zwölf weitere Ex-Bankmanager begonnen.

Berlin (29.07.2005, 15:26 Uhr) - Der Hochsicherheitssaal 700 des Berliner Landgerichts konnte die Phalanx der angeklagten Bankmanager und ihrer Verteidiger kaum fassen. Dicht gedrängt und in hochsommerlichen Hitze mit ihren Namensschildern fächelnd, saßen die früheren Vorstände und Aufsichtsräte der Bankgesellschaft Berlin am Freitag zum Auftakt des Prozesses um die Bankenaffäre. Zwei Rechtsanwälte flankierten jeden der 13 Angeklagten - einer für Strafrecht und einer für Zivilrecht. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf Untreue in besonders schweren Fällen.

In dem Wirtschaftsverfahren, das als eines der größten der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland gilt, geht es um 240 Millionen Euro (470 Millionen Mark), die die Bank Berlin Hyp Mitte der 90er Jahre an den Immobilienkonzern Aubis vergab. Die Bankmanager sollen Mitte der 90er Jahre hohe Risiken vernachlässigt haben. Der Bank entstanden laut Anklage unnötige Millionen-Risiken. Die 13 Angeklagten, unter ihnen der frühere Berliner CDU-Fraktionschef und Berlin-Hyp-Vorstand Klaus Landowsky, sehen das anders und weisen die Vorwürfe zum Teil empört zurück.

«Natürlich» erwarte er einen Freispruch, sagte der 63-jährige Landowsky, lange Jahre einer der mächtigsten Männer im früheren West- Berlin, am ersten Prozesstag auf dem Gerichtsflur. Sein Verteidiger Wolfgang Müllenbrock sprach von einer «beispiellosen Hetzkampagne». Die umstrittenen Kredite seien völlig rechtmäßig vergeben worden. «Sie wurden ganz üblich geprüft und bearbeitet.» Der normale Ermessensspielraum sei nicht überschritten worden.

Persönlich betroffen gab sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Bankgesellschaft, Wolfgang Steinriede. «Miserabel» fühle er sich vor dem Gericht, sagte er. «Ich habe noch nie vor Gericht gestanden in meinem Leben.» Nur einmal sei er 17 Stundenkilometer zu schnell gefahren. «Und jetzt brechen sie bei mir ein», fügte er hinzu und spielte damit auf Hausdurchsuchungen bei ihm an.

Beim Vortrag der 39 Seiten langen Anklage reagierten die Angeklagten kaum. Landowsky schüttelte ab und zu den Kopf und blickte zur Decke, zeigte aber sonst kaum eine Regung. Seine Ex-Kollegen legten im Laufe der Stunden nach und nach ihre Jacketts ab, was aber wohl mehr der schwülen Luft geschuldet war.

Von hohen Risiken, die nicht beachtet wurden, sprach die Staatsanwältin, und von schweren Verstößen gegen gesetzliche Vorschriften. Aubis hatte tausende Plattenbauwohnungen in Ostdeutschland gekauft, die aber nur schwer zu vermieten waren. Die Kredite galten daher zunehmend als höchst problematisch.

Die Staatsanwälte monierten, die beiden Aubis-Geschäftsführer hätten keinerlei Erfahrung im Immobiliengeschäft und auch keinen Nachweis über Managementfähigkeiten nachweisen können. Zudem hätten aktuelle Geschäftszahlen gefehlt. Trotzdem seien den beiden früheren CDU-Politikern mehrere Anschlusskredite bewilligt worden. Der Bank sei dadurch ein Risiko in Höhe von 78 Millionen Euro (153 Millionen Mark) entstanden. Die gesamte Darstellung der Anklage-Vorwürfe umfasst rund 750 Seiten.

Ausführliche Erklärungen der Angeklagten zu den Vorwürfen sollen am Mittwoch kommender Woche folgen. Mit Spannung wird auch erwartet, oh die beiden Aubis-Geschäftsführer in dem Prozess als Zeugen aussagen. Sie hatten damals 40 000 Mark an die CDU gespendet. Landowsky nahm das Geld in bar in seinem Büro bei der Bank entgegen. Einen Zusammenhang mit der Bewilligung der Kredite hatte er später aber immer entschieden verneint.

Als die Spende bekannt wurde, musste der CDU-Politiker von allen Ämtern zurücktreten, die große Koalition zwischen CDU und SPD zerbrach. 2001 verlor der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) sein Amt an Klaus Wowereit (SPD). Der Prozess soll mindestens bis zum Frühjahr 2006 dauern, es wird aber mit einem längeren Verfahren gerechnet. (Von Andreas Rabenstein, dpa)

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