Berlin : „Man muss über seine Erlebnisse sprechen“

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Berlin Tausende Touristen sind unmittelbar von dem Seebeben in Asien betroffen. Wie verarbeitet man die Bilder der Katastrophe nach der Rückkehr? „Man muss über die traumatischen Geschehnisse und seine Ängste sprechen, denn das entlastet“, sagt Mazda Adli, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité. Normale Stresssymptome, sagt der Arzt, seien ein Gefühl der Betäubtheit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden. Besonders anfällig seien Alleinstehende und psychisch vorbelastete Menschen. Falls die Symptome nicht innerhalb einiger Tage abklängen, sollten die Betroffenen einen Arzt aufsuchen. „Je länger das Trauma zurückliegt, um so schwieriger wird die Behandlung.“

Damit es erst gar nicht so weit kommt, greift bei Katastrophen ein Netz von Betreuungsmechanismen. Die großen Reiseveranstalter haben eigene Notfallteams, die bei Flugzeugabstürzen, Terroranschlägen oder Naturkatastrophen zur Betreuung von Opfern und Angehörigen bereitstehen. Allein rund 300 Mitarbeiter umfasst das „Emergency Care Team“ der Tui. Die Thomas-Cook-Gruppe (Condor, Neckermann) greift auf medizinisch und psychologisch geschultes Personal der Muttergesellschaft Lufthansa zurück.

Die Helfer nehmen die Betroffenen nicht nur an den Flughäfen in Empfang, sondern sind auch an Bord der Maschinen. Zusätzlich habe man Ärzte nach Phuket geflogen, die sich vor Ort um verletzte Touristen kümmern, sagte ein Thomas- Cook-Sprecher. Auch die Flughäfen verfügen über entsprechendes Personal. Sie werden von örtlichen Behörden und Institutionen unterstützt, wie in der vergangenen Nacht am Flughafen Schönefeld.

Dort trafen zwei Gruppen von Urlaubern aus Sri Lanka gegen 22 Uhr und 0Uhr 40 ein. Vor Ort empfingen sie Seelsorger und eine zehnköpfige Gruppe von geschulten Ehrenamtlichen aus dem Landeskreis Dahme-Spreewald, die bei Bedarf den weiteren Verlauf ihrer Rückreise organisieren. Geleitet wurde der Einsatz vom Ordnungsamt des Landkreises. Das keiner der Betroffenen eine intensive Betreuung brauchte, interpretiert Amtsleiterin Silvia Enders als gutes Zeichen. Die Rückkehrer waren bereits vorher versorgt worden. Der Verband Deutscher Psychologen richtete für Betroffene und Angehörige ein kostenloses Nottelefon ein (0800-7772244). cof/du-

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