Berlin : Mann mit Panzermine soll in Psychiatrie

Wolfgang Heinz F. drang schwer bewaffnet ins Sozialgericht Tiergarten ein. Staatsanwalt erhebt Anklage

Jörn Hasselmann

Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll der Mann mit der Panzermine in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden. Eine entsprechende Anklageschrift gegen Wolfgang Heinz F. liegt nun vor. Der 62-Jährige war im September dieses Jahres mit einer scharfen Panzermine und einer ebenfalls scharfen Schusswaffe in das Sozialgericht an der Invalidenstraße in Tiergarten eingedrungen und hatte gedroht, alles in die Luft zu sprengen. Eine Pförtnerin und Polizisten überwältigten den Mann geistesgegenwärtig im ersten Stock. Seither sitzt er in der Forensischen Psychiatrie und wartet auf seinen Prozess.

Polizeipräsident Glietsch hatte die Beamten zwei Tage nach der Tat öffentlich belobigt, weil sie eine Katastrophe verhinderten. Denn neben der Mine war F. mit einer geladenen 9-mm-Pistole vom Typ „Makarov“ bewaffnet sowie mit zwei selbstkonstruierten Böllern, die mit Reißzwecken gefüllt waren.

Wolfgang F. war nach den Ermittlungen seit Jahrzehnten unzufrieden. Im Jahr 1972 hatte der Berliner einen Arbeitsunfall erlitten, seitdem fühlte er sich von den Ärzten falsch behandelt und von der Justiz um Rentenansprüche betrogen. F. hielt sich selbst für arbeitsunfähig, das nahmen ihm die Behörden jedoch nicht ab. Als ihm drei Wochen vor der Tat eine notwendige Amputation diagnostiziert wurde, fühlte sich der Frührentner bestätigt. Laut Staatsanwaltschaft fasste er zu diesem Zeitpunkt den Entschluss, sich an denen zu rächen, die er für seinen Zustand verantwortlich machte. „Wolfgang F. wollte Ärzte, Gutachter, Juristen anprangern“, sagte Justizsprecher Michael Grunwald.

Die russischen Panzerminen vom Typ TM 62 M will F. kurz nach der Wende gekauft und vergraben aufbewahrt haben. Die Fernbedienung für die mitgeführte Mine soll der gelernte Schweißer aus einem Bausatz für ferngesteuerte Spielzeugautos gebastelt haben. Laut Polizei hätte die Sprengkraft der Mine gereicht, das Gerichtsgebäude neben dem Museum Hamburger Bahnhof völlig zu zerstören. Selbst die beiden umgebauten Böller sollen die Wirkung einer Splitterhandgranate gehabt haben. Eine zweite Mine wurde im Auto gefunden, das vor dem Gericht stand, beide Minen waren mit 7,5 Kilogramm TNT-Sprengstoff gefüllt.

Bevor F. 2001 in das brandenburgische Dorf Vogelsang gezogen war, hatte er in Neukölln eine Wäscherei. In Vogelsang war er nach Angaben der Nachbarn als Querulant aufgefallen. Am 14. September, an dem er morgens schwer bewaffnet das Gericht betrat, sollte er eigentlich in Eisenhüttenstadt vor dem Amtsrichter erscheinen. Ein Nachbar soll von F. wüst beschimpft und mit einem Messer leicht verletzt worden sein. F. soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft jetzt unbefristet in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest.

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