Mannschaftshotel bei der WM 2006 : Der Geist von Berlin-Grunewald

Bundestrainer Jürgen Klinsmann macht bei der Fußball-WM 2006 mit seiner Mannschaft in Berlin Quartier

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1954 sprach man vom „Geist von Spiez“, als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in dem Schweizer Dorf Quartier bezog und dann in Bern das WM-Finale gewann. Für den Ausgang der WM 2006 wird wohl der Geist von Grunewald mitentscheidend sein. Denn das deutsche Team wohnt während des Turniers im Schlosshotel Grunewald. Diese überraschende Entscheidung gab der Deutsche Fußball-Bund am Donnerstag bekannt. „Das ist eine wunderbare Nachricht“, sagte der WM-Beauftragte Berlins, Jürgen Kießling. Der lokale Chef des WM-Organisationskomitees (OK), Bernd Schiphorst, sprach von „einem zusätzlichen Push“ für die Stadt. „Wir haben die prominenteste Mannschaft der WM 2006 als Gast gewinnen können.“ Große Freude auch beim Bundesligisten Hertha BSC: „Wir sind stolz, dass sich unsere Investitionen auf dem Olympiagelände gelohnt haben“, sagte Manager Dieter Hoeneß. Auf Herthas Trainingsgelände hinter dem Olympiastadion wird die Nationalmannschaft während der WM trainieren. Vom Hotel bis zum Trainingsplatz sind es 14 Minuten oder 7 Kilometer Fahrt mit dem Bus.

Experten aus der Wirtschaft gehen davon aus, dass sich die Standortwahl des Bundestrainers Jürgen Klinsmann auch finanziell positiv für die Region auswirken werde. „Für Berlin ist die Entscheidung genial“, sagte der Ehrenpräsident der Berliner Industrie- und Handelskammer IHK, Werner Gegenbauer. „Wir sind jetzt der absolute Mittelpunkt der WM. Der Werbewert für den Wirtschaftsstandort Berlin ist unbezahlbar.“

Während der WM erwarten Experten eine Million Touristen in Deutschland. Jeder werde in den fünf Turnierwochen einmal die Hauptstadt besuchen, heißt es in Studien. Wenn die Nationalmannschaft nun 2006 in Berlin wohnt, werden auch viele deutsche Touristen anreisen, sagt Hanns-Peter Nerger, Chef der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM). „Das ist ein unglaublicher Prestigegewinn.“ Die Touristen werden während der WM Geld ausgeben, in der Stadt Zimmer buchen und Essen gehen. Und weil die Nationalmannschaft Quartier bezieht, „kommen bestimmt noch einige einen Tag früher, um ihre Mannschaft zu sehen“, sagt Nerger. Auch langfristig werde die Stadt von Klinsmanns Hotelwahl profitieren, glaubt er. Wenn die wichtigste Mannschaft hier wohne, würden es auch die Journalisten so handhaben. Nerger und Branchenkenner gehen von mehr als 20 000 Journalisten aus, die in Berlin wohnen. „Sie werden den Namen der Stadt in die Welt hinaustragen“, sagt Nerger. Auch der Fußball-Weltverband Fifa hat sich für seine WM-Zentrale in Berlin entschieden und die Zimmer in den Hotels Adlon und Intercontinental gebucht. Im sanierten Olympiastadion wird die kulturelle Auftaktveranstaltung einen Tag vor dem Eröffnungsspiel in München stattfinden. Am 9. Juli 2006 wird in Berlin das Finale ausgetragen.

Für die lokalen Organisatoren ist die gestern verkündete Nachricht „mit mehr Arbeit verbunden“, sagte der Berliner OK-Chef Bernd Schiphorst. Vor allem Sicherheitsfragen müssen nun geklärt werden. Das Trainingsgelände und auch das Mannschaftshotel werden von der Polizei abgeschirmt, „es wird kein frei zugänglicher Bereich sein“, sagt der WM-Beauftrage Kießling. Für die öffentlichen Trainingseinheiten mit vielen tausend Fans sei das Olympiastadion geeignet, vielleicht auch das Mommsenstadion in Eichkamp. Das kleine Amateurstadion von Hertha BSC, in dem die Mannschaft trainiert, hat keine Zäune und entspricht deshalb nicht den Sicherheitsstandards. Auch ein Infrastrukturkonzept müsse jetzt entwickelt werden. „Das Team muss sicher durch die Stadt gelangen“, sagt Kießling. Denkbar seien Lotsen von der Polizei oder auch eine Eskorte, die den Bus mit den Spielern durch den Stau bringt.

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