Marathon-Vorbereitungen : Linientreu

Seit Montagnacht zieren blaue Streifen ganz Berlin. Sie sollen den Teilnehmern des Berlin-Marathons am Sonntag den 42,195 Kilometer langen Weg anzeigen.

Eva Kalwa
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Probe auf Papier. Peter Schubert testet die Markierungsmaschine, die er selbst entworfen hat. Anschließend geht es einmal quer...Foto: Wagner

Die Markierungsmaschine sieht aus wie aus dem Lager Daniel Düsentriebs zusammengebaut: Die Räder stammen von einem Mountainbike für Kinder, und in ihrer Mitte befinden sich Schläuche und Düsen, die unablässig im Abstand von zwei Metern drei parallele blaue Streifen auf die Fahrbahn spritzen. Gezogen wird die seltsame Apparatur von einem kleinen Lieferwagen, in dem sich ein kleiner Steuerungscomputer, ein Kompressor und ein Fass mit 120 Litern blauer Farbe befinden. „Zzzscht" macht die Maschine wieder, spuckt blaue Streifen und füllt die Luft mit penetrantem Acryl-Geruch.

Über 42 Kilometer musste Peter Schubert, der Konstrukteur der Maschine, mit seiner Erfindung Montagnacht durch Berlin zurücklegen, begleitet von mehreren Polizei- und Helferfahrzeugen, die ihm den Weg bahnten. Die blauen Streifen sollen den rund 41 000 Teilnehmern des 35. Berlin-Marathons am Sonntag die Ideallinie auf der 42,195 Kilometer langen Strecke durch Tiergarten, Moabit, Mitte, Kreuzberg, Neukölln, Schöneberg, Friedenau und Wilmersdorf anzeigen.

Rund ums Brandenburger Tor werden die Streifen nur geklebt

Los geht es mit den Markierungsarbeiten auf der Zielgeraden direkt hinter dem Brandenburger Tor. „Rund um das Tor dürfen wir nicht mit Farbe arbeiten, da werden Streifen geklebt“, erklärt Wolfgang Weising. Der Einsatzleiter fährt in einem der Polizeiwagen vorneweg, um dem Markierungswagen die optimale Linie anzuzeigen. „Wir vermessen die Strecke nicht, das ist schon längst geschehen. Es geht vor allem darum, den Läufern eine Orientierung zu geben", sagt Weising, der am Sonntag selbst mitläuft. Michael Feistkorn, auch er Organisator beim Berliner Marathon-Veranstalter SCC-Running, ist um größere Genauigkeit bemüht, er hat die Strecke selbst mit ausgemessen und fährt mit einem Motorrad neben dem Markierungswagen her. „Die Ideallinie verläuft tatsächlich 30 Zentimeter von der Bordsteinkante“, sagt der 58-Jährige aus Schöneberg. „Wenn davon zu weit abgewichen wird, greife ich ein.“

So setzt sich die kleine Kolonne gegen halb neun mit einer Geschwindigkeit von rund 20 Kilometern pro Stunde Richtung Großer Stern in Bewegung. Dahinter staut sich der Verkehr etwas, die Reifen mehrerer PKW sind blau, weil sie über die frisch aufgebrachten Streifen gefahren sind. „Wir benutzen keine wasserlösliche Farbe, sondern stark verdünnte, die sich nach einiger Zeit durch Abrieb löst“, sagt Schubert, 54. Die Maschine hat er in vielen Stunden neu aufgebaut: „Ich mag das Tüfteln und die Feinarbeit.“ Dann springt der Buckower plötzlich von seinem Sitzplatz im nach hinten geöffneten Laderaum des Lieferwagens auf: Ein großer blauer Fleck ziert die Marchstraße am Ernst-Reuter-Platz. „Mist“, schimpft Schubert. „Das kommt vom ewigen Anhalten an roten Ampeln!“ Der Sensor kann nicht auf die ständigen Unterbrechungen reagieren und gibt den Düsen den Befehl zum Weitersprühen. Schnell wird die überschüssige Farbe mit Lösungsmitteln von der Fahrbahn entfernt, dann geht es weiter Richtung Moabit.

Sechs Stunden für die Marathon-Strecke

An einigen Stellen verläuft die Strecke auf der Gegenfahrbahn, da muss der Markierungswagen erst umgesetzt werden, um nicht als Geisterfahrer unterwegs zu sein. So auch am Kurfürstendamm, wo am Sonntag die Läufer rund 35 Kilometer der Strecke hinter sich haben werden. Die Markierungskolonne selbst kommt am Pariser Platz gegen 2 Uhr ins Ziel, knapp sechs Stunden hat man am Ende für die Strecke gebraucht. „Wir waren auch schon mal schneller“, sagt Weising. Er selbst will am Sonntag nur dreieinhalb Stunden brauchen.

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