Berlin : Mariendorf: Der Turm ist morsch, die Glocke verstummt

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Beerdigungen auf dem Gemeindefriedhof von Alt-Mariendorf laufen in aller Stille ab. Selbst die Glocken läuten nicht mehr - aber nicht, um die Trauergäste zu schonen, sondern aus einem ganz profanen Grund: Der Holzturm der Mariendorfer Dorfkirche ist baufällig. Viele Balken seien morsch und von Schwamm befallen, sagt Pfarrer Hans-Martin Brehm von der evangelischen Gemeinde Mariendorf. In der Vergangenheit seien häufiger Dachziegel heruntergefallen. Es regne durch. Der Turm habe sich mittlerweile schon leicht geneigt. Seit geraumer Zeit wird der Kirchturm saniert. Kurz vor Weihnachten war bei den Arbeiten festgestellt worden, dass die Schäden noch gravierender sind als angenommen. Sicherheitshalber habe man das Baugerüst verstärkt, sagt Pfarrer Brehm. Das Weihnachtsgeläut sollte nicht zum Sicherheitsrisiko werden.

Das Kirchenschiff sei in den 50er Jahren zuletzt saniert, der Turm aber ausgespart worden. Er sei damals offenbar noch in Ordnung gewesen, sagt der Pfarrer. Holzaufbauten und Holzverschalung werden nun ausgebessert, das Dach neu gedeckt. Dabei hat der Denkmalschutz ein wachsames Auge auf die Arbeiten. Die Steinkirche aus dem 13. Jahrhundert ist eine der ältesten der Stadt. Der Holzturm wurde immerhin 1737 gebaut. Nun sollen auch die Wetterfahne neu vergoldet und das Zifferblatt der Turmuhr erneuert werden. "Das sind aber Schönheitsreparaturen", sagte Brehm. Etwa 450 000 Mark werde die Restaurierung voraussichtlich kosten. Bis zum Osterfest soll alles fertig sein.

Die alte Dorfkirche ist nicht das einzige Sorgenkind der evangelischen Gemeinde. Schlimmer als um sie steht es Brehm zufolge um die 1935 fertig gestellte Martin-Luther-Gedächtniskirche an der Rathausstraße. Die Standfestigkeit des Turms sei einem Schadensgutachten zufolge nicht mehr gewährleistet, sagte Brehm. Um Passanten zu schützen, wurde ein Gitter aufgebaut. Die Sanierung dort würde etwa zwei Millionen Mark kosten. Geld, das die Gemeinde nicht habe, sagte Brehm. Derzeit werde in der Gemeinde und bei Tempelhofer Geschäftsleuten für die Türme gesammelt.

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