Berlin : Maritim-Kette: Hinter dem Shell-Haus rollen die Bagger

Cay Dobberke

Hinter dem Shell-Haus am Reichpietschufer soll im Frühjahr der Bau eines 500-Zimmer-Hotels für die Maritim-Kette und von Büros beginnen. In das Projekt nach Plänen von Josef Paul Kleihues will die Viterra Gewerbeimmobilien GmbH 300 Millionen Mark investieren. Der Abriss ehemaliger Bewag-Verwaltungsbauten an der Stauffenbergstraße läuft bereits. Anders als das Shell-Haus von Emil Fahrenkamp sind Paul Baumgartens Erweiterungsbauten von 1969 nicht denkmalgeschützt; sie gelten dafür als "zu jung".

Die Maritim-Gruppe ist nach den Worten einer Sprecherin "stark an dem Standort interessiert", allerdings seien die Verträge noch nicht unterzeichnet. Als Kategorie des neuen Hotels sind "mindestens vier Sterne" vorgesehen. In Berlin betreibt die Kette bereits das "Maritim pro Arte"-Hotel an der Friedrich- / Ecke Dorotheenstraße (das ehemalige "Metropol"). Die Gründe für das Interesse an dem Tiergartener Gelände liegen auf der Hand: Es liegt im Diplomatenviertel und damit auch ganz in der Nähe des Regierungsviertels und des Potsdamer Platzes. Die nächstgelegenen Konkurrenten sind das Grand Hotel Esplanade am Lützowufer und das Hyatt am Potsdamer Platz, die ebenfalls zur Spitzenklasse gehören.

Auf die Altbauten von Paul Baumgarten legten Politiker und Behörden kaum noch Wert. Das Landesdenkmalamt bedauert den Abriss zwar grundsätzlich, verweist aber darauf, dass der Schutz älterer Gebäude Vorrang habe. Tiergartens Baustadtrat Horst Porath (SPD) betont, die Stadtentwicklungsverwaltung habe "keine Einwände erhoben". Wegen ihres Zuschnitts seien die Verwaltungstrakte "nicht für einen Umbau zum Hotel geeignet". Baumgarten, ein berühmter Architekt der Moderne, hatte unter anderem auch den Reichstag in den 50er Jahren umgebaut. Daran erinnert seit der neuerlichen Umgestaltung zum Bundestagssitz durch Sir Norman Foster aber nichts mehr.

Der Viterra gehört nicht nur das 12 500-Quadratmeter-Areal an der Stauffenbergstraße, sondern auch das Shell-Haus. Die Gasag-Verwaltung ist dort nur Mieter. Ursprünglich diente der 1932 eröffnete Bau einer Tochterfirma des Mineralölkonzerns Shell. Später zog die Bewag ein, die das Haus nach langem Verfall aufwendig sanierte und dafür vor wenigen Tagen von SPD-Stadtentwicklungssenator Peter Strieder mit der Ferdinand-von-Quast-Medaille ausgezeichnet wurde (wir berichteten). Mitte der 90er Jahre verlagerte die Bewag ihre Zentrale nach Treptow. So kam es zur Vermietung an die Gasag und später zum Verkauf an die Viterra. Diese gehört zum "E.on"-Konzern und ist in Berlin auch am Umbau der alten Kreuzberger Schultheiss-Brauerei zum "Viktoria Quartier" beteiligt.

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