Berlin : Martin Moss: Selbstgestricktes für den Star mit Herz

Tanja Buntrock

Es ist etwas passiert mit Anja Mohren, als sie 1995 zum ersten Mal in Alsdorf bei Aachen im Musical "Gaudi" saß und Hauptdarsteller Martin Moss sah. Er kam auf die Bühne, und sie war "wie erschlagen". Von seinem Charisma. Fortan kam die 41-Jährige über 80 Mal ins Theater. Zu ihm. Um Martin Moss zu sehen. Mittlerweile hat sich ein Fanclub gebildet. Rund 70 Mitglieder, die fast alle aus dem Großraum Köln stammen. Der jüngste Fan ist zehn, der älteste 76 Jahre.

Martin Moss spielt nun im Theater des Westens an der Kantstraße im Musical "Falco meets Amadeus" den Manager von Falco. Für den Fanclub ein "Muss". Sie sind gekommen, um ihm beizustehen. "Er braucht das. Er braucht vertraute Leute um sich herum, die ihn unterstützen", weiß Maria-Luise Kuhl, Mitorganisatorin des Clubs, aus Köln.

Nun ist es soweit. Gleich werden sie ihren Liebling nicht nur in der Vorstellung sehen, sondern "ganz privat" auch schon vorher. Im Lokal "Robbengatter" in Schöneberg sitzen 20 Frauen und der 14-jährige Sohn von Anja Kuhl. Alle warten sie auf Martin Moss, der "kein Zeitgefühl hat, weil er Künstler ist". Er ist spät dran. Die Damen sind schon aufgelöst. Jede ziert das Schildchen des Martin-Moss-Fanclubs, das sie am Revers befestigt haben.

So eine gemeinsame Tour sei auch dazu da, um sich besser kennenzulernen. "Man tauscht sich aus", erklärt Anja Mohren. In den vergangenen Jahren hätten sich unter den Fans schon "dicke Freundschaften" entwickelt. Mehrere Frauen schlürfen Berliner Weisse, denn "vor Ort schmeckt das ja besser". Unentwegt erzählen sie sich Martin-Moss-Geschichten im tiefsten Kölner Singsang. Tobi tanzt für sein Leben gerne. Später möchte er auch mal so ein Musical-Star wie Martin Moss werden. Eine andere aus der Runde gibt ihr persönliches Martin-Moss-Erlebnis zum Besten. Eine Beule habe sie in ihr Auto gefahren, weil sie so aufgeregt war, ihren Musical-Schwarm zu sehen. Zwischendrin reicht Maria-Luise Kuhl das selbst produzierte Martin-Moss-Fanbuch herum. Fein säuberlich sind dort Anekdoten, Fotos und Fan-Insiderwissen abgeheftet. Das Sahnehäubchen: ein Martin-Moss-Rätsel. "Das können nur Fans lösen."

"So natürlich" sei der Musical-Star, beschreibt Maria-Luise Kuhl. "Wenn er ein Treffen mit uns hat, dann sitzt da nicht der Star, sondern er selber. Mit ausgezogenen Schuhen." Besonders bemerkenswert fand die 49-Jährige, dass Martin Moss "einfach so" auf der Geburtstagsparty ihrer Tochter Stefanie erschienen ist und "drei Stunden lang den DJ gemacht hat". Martin Moss - ganz natürlich. Der Musical-Star, der selbst auflegt. Da habe später die ganze Kölner Südstadt drüber gesprochen. "Das war der Hammer", sagt sie.

Und jeden Fan kenne er mit Namen. Manchmal hole er sich sogar Ratschläge von den Frauen. So, wie einmal. Da musste er im Stück "Blood Red Roses" in Aachen eine Frau spielen und sei deswegen wochenlang mit roten Stöckelschuhen durch die Innenstadt gelaufen. "Da hat er uns dann auch gefragt, wie das so ist als Frau. Um sich in die Rolle einzufinden." Bevor "der Martin" jetzt kommt, zeigen die Frauen schnell noch ihre selbstgebastelten Herzchen-Schildern. Als Fan ist das wohl ein Muss. Und plötzlich steht er am Tisch. Martin Moss ist da, mit halbstündiger Verspätung.

Es wird geklatscht und geknipst. "Wie geht es euch", kreischt er hysterisch mit amerikanischem Akzent. Der gebürtige New Yorker, der schon seit 20 Jahren in Deutschland lebt, kommt in Jeans und T-Shirt. Sein krauses Haar ist hellblond gefärbt, die Füße stecken barfuß in Slippern. Moss, der sein Alter nicht verraten will, "weil es keine Rolle spielt", steht inmitten der Runde und erzählt von einer Nasendusche und einer Inhalation, die er gerade hinter sich hat.

Seine Stimme klingt heiser, wenn er spricht. Aber eigentlich spricht er nicht. Es ist eher so eine Art hysterisches Singen. Die Stimme geht hoch, runter, hoch, runter. Die Verrenkungen, die er mit den Armen macht, wirken so, wie die von Joe Cocker. Dann kümmert sich Martin Moss um seine Fans. "Wie geht es Heidi? Was macht deine Mama?", fragt er. Natürlich plaudert er auch über seine letzte Vorstellung und tut kund, wie toll das Berliner Publikum sei. Die Frauen kleben an seinen Lippen. Später erzählen sie ihm von ihrer Stadtrundfahrt. "Toll, das Brandenburger Tor. Drin, drumherum, nur drüber sind wir nicht gefahren", scherzt Maria-Luise Kuhl.

Der Musical-Darsteller, der sich selbst lieber als "Entertainer" bezeichnet, schlägt vor, das Theater zu besichtigen. Vorher kommt jedoch eine der Damen ganz dicht zu Martin Moss und überreicht ihm aufgeregt ein Geschenk: Selbstgestrickte Socken. "Weil es in Berlin so kalt ist." Moss bedankt sich mit einem Küsschen. Der ganz natürliche Star, der auch mal die Schuhe auszieht - und dann selbstgestrickte Socken trägt.

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