Mathe-Abitur in Brandenburg : Brandenburger Lehrer schwänzten Pflicht-Fortbildung

Im Brandenburger Mathe-Abi wurden Aufgaben abgefragt, die nicht im Unterricht vorgekommen sein sollen. Ein Gutachten der Universität Potsdam sieht trotzdem keine systematischen Versäumnisse.

Mehr als 2.500 Schüler dürfen das Mathe-Abi noch mal schreiben.
Mehr als 2.500 Schüler dürfen das Mathe-Abi noch mal schreiben.Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Die Pannen beim Mathe-Abitur in Brandenburg sind maßgeblich darauf zurückzuführen, dass Lehrkräfte den aktuellen Rahmenlehrplan wegen versäumter Pflicht-Fortbildungen nicht kannten oder falsch verstanden haben. Das geht aus einem am Donnerstag von Bildungsminister Günter Baaske (SPD) vorgestellten Gutachten der Uni Potsdam hervor.

In seinem Auftrag hatten die Wissenschaftler Ulrich Kortenkamp und Andreas Borowski untersucht, warum bestimmte Logarithmus-Funktionen nicht im Unterricht behandelt wurden, die nun Bestandteil der schriftlichen Abi-Prüfung waren. Es ist ein flächendeckendes Problem, das an 113 der 136 Gymnasien, Oberstufenzentren und Gesamtschulen mit Abi auftrat. Von 6000 Schülern, die im Land die Prüfungen absolvierten, sind 2580 betroffen, also fast jeder zweite. Sie dürfen das Mathe-Abi nun am 12. Juni noch einmal schreiben.

Dass es dazu kam, lag laut Gutachten und Baaske nicht an systematischen Missständen. Die Abi-Aufgaben wie auch der geltende Rahmenlehrplan entsprächen den Anforderungen, sagte Kortenkamp. „Die Schüler hatten keine Schuld. Sie wurden nicht auf diese Aufgaben vorbereitet.“ Vielmehr hätten viele Lehrer den Lehrplan fehlinterpretiert, so Kortenkamp. Der Rahmenlehrplan war 2014 neu eingeführt worden. Doch immerhin 30 Prozent der Schulen schickten gar keine Mathelehrer in die verpflichtende Fortbildung.

„Es tut mir leid, dass das passiert ist“, sagte der Minister. Er kündigte Konsequenzen aus dem Desaster an. So solle die Verpflichtung zur Fortbildung stärker kontrolliert werden. Man prüfe disziplinarrechtliche Befugnisse für Schulleiter, wenn Lehrkräfte Fortbildungen verweigerten. Und der Rahmenlehrplan selbst solle mit Erläuterungen – Modellbeispielen – präzisiert werden. Außerdem, so Baaske, werde ein „Fachbrief Mathematik“ aufgelegt.

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