Berlin : Matthias Oloew: Wir Kanaken (Glosse)

Matthias Oloew

Wir haben es immer geahnt. Aber es zu glauben, das fiel schwer. Der einzig wahre Kosmopolit dieser Piefke-Metropole, das ist Eberhard Schönberg, Chef der Berliner Gewerkschaft der Polizei. Schönberg ist nämlich ebenso wie Polizeipräsident Hagen Saberschinsky der Meinung, dass gestressten Ordnungshütern schon mal ein falsches Wort rausrutschen könne. Der Gewerkschaftsboss geht sogar noch weiter. Die Bemerkung "Kanake" sei keine rassistische Äußerung, sagte er der "Tageszeitung", sondern lediglich eine Beleidigung. Und deshalb gebe es unter Berliner Polizisten keine Rassisten.

Was diese Äußerung offenbart, ist nicht nur seine weltmännische und tolerante Einstellung, sondern auch, dass Eberhard Schönberg ein weit gereister Mann sein muss. Bis auf die Südseeinsel Neukaledonien hat es ihn wohl verschlagen, um zu seiner Erkenntnis zu kommen. Auf Neukaledonien nämlich ist das Wort tatsächlich kein Rassismus, sondern gang und gäbe. Mehr noch. Die angestammte Bevölkerung nennt sich selber so und trägt die Bezeichnung mit einigem Stolz. Denn "Kanake" stammt aus dem Polynesischen und heißt übersetzt nichts anderes als "Mensch".

Wirklich wahr, Herr Schönberg. Wir sollen uns nicht so haben. Wenn uns also demnächst ein Polizist als "Kanake" bezeichnet, da machen wir uns dann nichts mehr draus, sondern heben den Kopf und wähnen uns an einem schönen Strand in der Südsee. Umgeben von Hula-Musik und netten Menschen. Und wir Berliner Kanaken, wir sollten uns herzlich bedanken, beim Kosmopoliten und Kanaken Eberhard Schönberg. Für diese Aufklärung war es wirklich höchste Zeit.

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