Berlin : Mauermuseum wird der Geldhahn zugedreht

Amory Burchard

Nach dem Streit um Honorarnachzahlungen in Millionenhöhe an Direktor Rainer Hildebrandt steht das Museum Haus am Checkpoint Charlie weiter in der Kritik. Jetzt hat die Bundeszentrale für Politische Bildung Zuschüsse für die Bildungsarbeit des Museums vorerst gestoppt. "Wir machen eine Prüfung" sagte der Präsident der Bundeszentrale gestern dem Tagesspiegel.

Jährlich erhält das Museum rund 50 000 Euro für Honorare für Vorträge von Zeitzeugen. Dieses Geld werde pauschal an den Trägerverein des Museums überwiesen, so Krüger. Die Arbeitsgemeinschaft 13. August e.V. gibt es an die Vortragenden weiter. Seit Herbst 2001 riefen Referenten allerdings in der Bundeszentrale an und baten um Nachzahlungen. Es stellte sich heraus, dass der Verein seinen Honorartopf schon im September geleert habe. Die Praxis des Museums, die Referenten direkt an die Bundeszentrale zu verweisen, sei "unüblich", so Krüger, und ein Grund für die Prüfung der Bücher. Ein weiterer Grund: Der Verein sei offenbar bestrebt, seine Gemeinnützigkeit aufzugeben. Krüger wird sich am Donnerstag mit Museumsdirektor Rainer Hildebrandt und seiner Frau Alexandra, der stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins, treffen. Sollten die Unstimmigkeiten nicht aufgeklärt werden, drohten "weitreichende Konsequenzen", sagt Krüger. So sei es denkbar, einen anderen Träger mit der politischen Bildungsarbeit zum Thema der geteilten Stadt zu beauftragen.

Alexandra Hildebrandt sieht den Trägerverein des Museums im Recht. Honorar-Nachzahlungen der Bundeszentrale seien durchaus üblich gewesen, sagt sie. So habe man in den vergangenen Jahren bis zu 30 000 Mark zusätzlich bewilligt, wenn der Honorartopf leer war. Erst unter dem neuen Präsidenten, Thomas Krüger, wurde ein entsprechender Antrag abgelehnt und ihr mitgeteilt, 250 Mark pro Vortrag seien zu viel. Deshalb sei direkt an die Zentrale verwiesen worden. Spekulationen um den Verlust der Gemeinnützigkeit wies Hildebrandt zurück. Das Finanzamt habe sie aberkannt, nachdem sich ihr Mann geweigert habe, die Satzung des Vereins zu ändern. Er wolle den Satz "im Falle des Entzuges der Gemeinnützigkeit fällt das Vermögen (des Vereins) an das Land Berlin" nicht aufnehmen.

Ein prominentes Mitglied des Vereins will es anders erlebt haben. Die Hildebrandts hätten die Aufgabe der Gemeinnützigkeit selber im Verein durchgesetzt, um "auf diese Weise massive Summen herausnehmen zu können". Der ehemalige DDR-Oppositionelle möchte seinen Namen nicht nennen, um nicht - wie vor ihm Wolfgang Templin - aus dem Verein herausgedrängt zu werden. Sein Vorwurf ist indes nicht neu. Der 87-jährige Rainer Hildebrandt lässt sich seit August 2000 vom Verein nachträglich Honorare für von ihm verfasste Broschüren und Geld für Exponate des Museums in Höhe von insgesamt 1,5 Millionen Euro über zehn Jahre auszahlen. Alexandra, seine 45 Jahre jüngere Ehefrau, dazu: "Der Verein hat einfach die Rechte abgekauft." So könne er später nicht mit Erbansprüchen konfrontiert werden.

Der frühere DDR-Bürgerrechtler Wolfgang Templin hat unterdessen gefordert, das Mauermuseum in eine Stiftung umzuwandeln. Die öffentliche Hand müsse beteiligt werden, ansonsten sei dieser erstrangige Ort der Zeitgeschichte in Gefahr, erklärte Templin am Montag. Derzeit sei das Museum für Direktor Rainer Hildebrandt ein Selbstbedienungsladen.

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