Berlin : Mauerpark: Anwohner lieben ihr Rasenareal zu Tode

Michael Brunner

Die Kinder sind auf ihre Spiele konzentriert. Es stört sie nicht, dass es auf den Wegen und Wiesen ringsum wie auf einer Müllkippe aussieht. Da liegen haufenweise weggeworfene Zigarettenkippen, Scherben, weggeworfenes Papier und anderer Müll. Der Rasen im Mauerpark ist trocken wie nach einer Dürre. Zwischen den Grasbüscheln sprießt Unkraut. Mitten in der Wiese erstreckt sich ein großes Oval ohne einen einzigen Halm: Das Gras dort haben die Fußballspieler aus dem Kiez platt getrampelt. Ein Stück weiter liegen die Rest eines Grillfeuers.

Der acht Hektar große Park an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Wedding ist alles in einem: Sonnenbad und Basar, Sportplatz und Theater, Park und "Hundeauslaufgebiet". Die Probleme mit dem Müll und dem nieder getrampelten Rasen sind bekannt, und sie scheinen unlösbar zu sein. Denn die Grünfläche, die ihrem Namen kaum noch gerecht wird, ist eine der wenigen Erholungsmöglichkeiten in der Gegend. Dementsprechend bleibt bei schönem Wetter kaum ein Plätzchen frei. "Was uns die Nutzer dort hinterlassen, ist zuviel", sagt Katharina Hannemann, die stellvertretende Leiterin des Gartenamtes Prenzlauer Berg. "Jede Woche holen unsere Leute einen ganzen Container voll Müll aus dem Mauerpark", sagt sie und hebt ratlos die Arme: "Es ist einfach nicht vorgesehen, dass Grünanlagen so zugemüllt werden."

Das Gartenamt schickt nach Hannemanns Worten werktags ab 6.30 Uhr fünf ABM-Kräfte durch den Mauerpark. "Die laufen mit gelben Säcken durch und sammeln auf, aber mittags sieht es schon wieder schlimm aus." Manchmal beschweren sich Familien mit Kindern oder Jogger. Das ändert jedoch nichts daran, dass Leute aus der Umgebung an den Wochenenden Lagerfeuer anzünden, Partys feiern und die Reste einfach liegen lassen. Bei Veranstaltungen wie Basaren oder Konzerten ist es nicht besser. "Danach sieht es immer schlimmer aus als vorher", sagt Gabriele Mersch von der Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung S.T.E.R.N. Tatenlos sehen Mersch und ihre Kollegen vom Quartiersmanagement Falkplatz aber nicht zu. Sie haben Anwohner befragt und dabei zahlreiche Ideen für den Mauerpark zusammengetragen. Ein Vorschlag wird jetzt verwirklicht: Anfang August beginnen die Bauarbeiten für einen neuen Streetballplatz gegenüber der Natursteinbühne. Wie berichtet, bestreitet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Kosten in Höhe von 67 000 Mark aus ihren Töpfen. Und inzwischen haben sich ein paar Anwohner vom nahe gelegenen Falkplatz zum "Freundeskreis Mauerpark" zusammengeschlossen.

Der Mauerpark zählt zu den jüngeren Grünanlagen in der Stadt. 1992 entschied sich der Senat für den Bau. Im Frühling 1993 begannen die Arbeiten nach Entwürfen des Hamburger Landschaftsarchitekten Gustav Lange. Fertigstellung war am 12. November 1994. Auf einer Schautafel an der Eberswalder Straße ist zu lesen, was sich Architekt Lange bei seiner Arbeit so alles gedacht hat. Ein Beispiel für Langes Baumeisterprosa: "Schwere Granitsteine werden leicht im Licht. Sie lösen sich beim Näherkommen auf und lassen Fugen und Raum frei für wilde Pflanzen und Blumen." Lange, der den Park mit Wildäpfelbäumen, Pappeln und Eichen bepflanzten ließ, schreibt weiter: "Leben findet in Zwischenräumen statt, nicht in hoch organisierten Strukturen." Für einen Park auf dem ehmaligen Mauerstreifen klingt es einen Tick zu abgehoben.

Passanten und Besuchern sind die Probleme bekannt. "Na, die tun wohl nichts", vermutet ein alter Mann, der mit seinem Pudel Gassi geht. Plopp, der Pudel lässt ein Häufchen fallen, das natürlich liegen bleibt. "Am besten wäre ein gefließter Mauerpark, der abends mit dem Gartenschlauch abgespritzt wird", sagt ein junger Mann mit Mountain-Bike.

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