Berlin : Maul- und Klauenseuche: Schutzkleidung und Desinfektionsmittel bestellt

Katharina Körting

Berlin probt den Ausnahmezustand. Nachdem in Frankreich Fälle der Maul- und Klauenseuche aufgetreten sind, werden die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen Tegel verstärkt. An allen Gates für Flüge aus Frankreich und Großbritannien sind am Donnerstag mit Desinfektionsmitteln getränkte Fußmatten für die Crew und die Passagiere ausgelegt worden. Täglich kommen in Tegel 22 Maschinen aus Paris, London und Birmingham mit insgesamt rund 1500 Fluggästen an. "Die Passagiere kommen nicht mehr durch, ohne auf die Matten zu treten", sagt der Zollbeamte Detlev Szesny.

An die Reisenden sollen schon in den Abflughäfen mehrsprachige Merkzettel verteilt werden, in denen die Einfuhr von Lebensmitteln untersagt wird. Die Fluggesellschaften sind gehalten, die Fluggäste im Flugzeug zu informieren. Für mitgebrachte belegte Brote stehen in Tegel extra Tonnen bereit. "Aus Sicht des Grenzveterinärdienstes sind alle Maßnahmen eingeleitet, um die Seuche fernzuhalten", sagt Eberhard Elie, Sprecher der Berliner Flughäfen. Zurzeit kontrollieren die Zollbeamten stichprobenartig das Gepäck. Auch der Bundesgrenzschutz wird jetzt bei den Überprüfungen der Reisenden aktiv.

Der Senat hat alle Bezirke angewiesen, Krisenstäbe einrichten, um im Falle des Falles schnell reagieren zu können. Reinickendorf ist besonders betroffen, denn dem dortigen Bezirksamt untersteht der Grenzveterinärdienst am Flughafen Tegel. "Unser Krisenstab hat gestern früh erstmals getagt", sagt Umweltstadtrat Thomas Gaudszun (SPD). Man habe vorsorglich Schutzkleidung und mehr Desinfektionsmittel bestellt. "Das ist eine hochinfektiöse Geschichte", sagt der Stadtrat, "da muss man sehr vorsichtig sein."

Die Ämter kontrollieren derweil alle Fleischbetriebe und Lebensmittelketten, um verdächtige Ware gegebenenfalls aus dem Verkehr zu ziehen. Gesundheitssenatorin Gabriele Schöttler (SPD) appelliert an alle Berliner, ordnungsgemäß mit Lebensmitteln umzugehen und das Fütterungsverbot in den Tiergehegen einzuhalten. Rückkehrer aus Frankreich und Großbritannien dürfen mindestens eine Woche nach der Ankunft in Berlin keinen Zoo oder Tierpark besuchen. Kontrolliert wird das jedoch nach Auskunft des Zoologischen Gartens nicht.

Die Jugendfarm Lübars in Reinickendorf ist wegen der Seuchengefahr erstmal geschlossen. Auch der Streichelzoo im Zoo darf nicht mehr betreten werden. Die Domäne Dahlem in Zehlendorf lässt ihre Schweine, Schafe und Kühe nur noch aus sicherer Entfernung betrachten. Schilder untersagen Füttern und Berühren.

Die Maul- und Klauenseuche ist eine Virusinfektion, die Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Wildtiere treffen kann. Die Prävention ist schwierig, weil die Erreger mit dem Wind bis zu 15 Kilometer weit fliegen können, sagt Steffen Horner von der FU-Klinik für Maul- und Klauentiere. Desinfektionsmatten seien ein sinnvoller Schutz, der allerdings nur die Erreger an den Schuhsohlen unschädlich mache. Um die Krankheit zu übertragen, reicht es, wenn jemand mit seiner Kleidung etwas berührt, das mit infizierten Tieren in Berührung gekommen ist, etwa Stroh oder eine Heugabel.

Menschen sind in der Regel nur Virusträger. Ob sie an der Seuche erkranken können, ist unter Fachleuten strittig. Nach Horners Angaben ist das in seltenen Fällen möglich. Gaudszun berichtet von früheren Fällen, von denen Ältere erzählen könnten, als man noch enger mit Tieren unter schwierigen hygienischen Bedingungen zusammen lebte. Nach seiner Aussage könnten sich auch bei mit dem Virus infizierten Menschen schmerzhafte Bläschen im Mund und an den Händen bilden. Lebensgefährlich ist der Erreger nicht. Gaudszun warnt eindringlich vor Hysterie: "Wir stehen nicht vor dem Ausbruch der Pest!"

Hintergrund:
Chronologie: Der jüngste Ausbruch der Seuche in Europa

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