Berlin : Mehdorn will in den Hauptbahnhof – vielleicht

Bahnchef zu Wowereit: Wir ziehen in die Bügelbauten

Klaus Kurpjuweit

Die Bahn setzt das Verwirrspiel um den künftigen Standort ihrer Konzernspitze fort. Erst liebäugelte Bahnchef Hartmut Mehdorn mit einem Umzug nach Hamburg, was hinterher alles ein Missverständnis gewesen sein soll. Jetzt hat er dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer berichtet, dass er in den Hauptbahnhof ziehen werde, wie Wowereit und Junge-Reyer bestätigten. Doch davon wollte die Bahn gestern wiederum nichts wissen. Zum künftigen Standort der Konzernleitung gebe es keine Beschlüsse, sagte Konzernsprecher Heiner von der Laden.

Schon seit Jahren gibt es ein Hickhack um den künftigen Standort der Zentrale. Im Sommer 2004 hatte die Bahn europaweit ein Konzept für die künftige Zentrale ausschreiben lassen. Das Gebäude sollte mehrere tausend Mitarbeiter aufnehmen können. Am heutigen Standort im Sony-Turm am Potsdamer Platz sind 850 Mitarbeiter beschäftigt. Zum Stand der Ausschreibung sagt die Bahn nichts.

Den Bau von Hochhäusern für die Zentrale hat man am Gleisdreieck und am neuen Hauptbahnhof erwogen. Dort könnte der neue Bahn-Tower 150 Meter hoch in den Himmel ragen. Einen Einzug in die so genannten Bügelbauten, die die gläserne Halle des Hauptbahnhofs überspannen, hatte die Bahn ausgeschlossen.

Doch für die Neubauten, die derzeit entstehen, hat sie bisher keine Mieter gefunden. Deshalb wollte sie in einem der beiden Riegel eigene Mitarbeiter unterbringen, für den zweiten hoffte die Bahn, einen Hotelbetreiber finden zu können. Ursprünglich waren die beiden Bügel nicht miteinander verbunden. Zum Wechsel von einem Gebäude ins andere hätten Mitarbeiter – und Unterlagen – den Weg durch die Empfangshalle nehmen müssen. Deshalb sei es ausgeschlossen, dass ein einziger Nutzer beide Gebäude beziehe, hieß es lange Zeit bei der Bahn. Inzwischen sind die Riegel aber mit Brücken, so genannten Sky-Walks, verbunden und damit zu einer Einheit geworden. Jetzt könnte die Konzernspitze einziehen.

Im Sony-Turm nutzt die Bahn 23 000 Quadratmeter. Die Bügelbauten am Hauptbahnhof haben eine Fläche von zusammen rund 42 000 Quadratmetern. Nach derzeitigem Stand will die Bahn den Sony-Turm verlassen, weil sie in Zukunft eigene Immobilien nutzen wolle, wie von der Laden sagte. Am Potsdamer Platz zahlt die Bahn eine sehr hohe Miete. Der Vertrag läuft 2009 aus.

Die Bügelbauten am Hauptbahnhof sollen Ende 2007 bezugsfähig sein. Gegenüber Wowereit und Junge-Reyer hat Mehdorn vom Umzug im Jahr 2007 gesprochen. Damit könnte es passen. Allerdings kann der Bahnchef dann nicht mehr hoch hinaus. Jetzt residiert er in fast hundert Meter Höhe, die Bügelbauten aber sind lediglich 46 Meter hoch – aber immerhin höher als das benachbarte Kanzleramt.

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