• Mehr alte Menschen und mehr Babys - Die Zahl der Deutschen sinkt, die der Ausländer steigt - Weiterhin Wegzug aus der Innenstadt

Berlin : Mehr alte Menschen und mehr Babys - Die Zahl der Deutschen sinkt, die der Ausländer steigt - Weiterhin Wegzug aus der Innenstadt

Brigitte Grunert

Entgegen den optimistischen Annahmen in den neunziger Jahren schrumpft die Einwohnerzahl Berlins weiter. Das geht aus der gestern vom Senat vorgestellten Bevölkerungsprognose von 1998 bis 2015 hervor. Nach der mittleren von drei Varianten wird die Bevöllkerungszahl von 3,398 Millionen (1998) bis 2010 auf 3,35 Millionen sinken und bis 2015 wieder leicht auf 3,3616 Millionen steigen. Die ungünstigste Variante weist die Schrumpfung bis auf 3,2812 Millionen aus, die günstigste einen geringen Zuwachs auf 3,4301 Millionen. Dabei sinkt in jedem Fall die deutsche Einwohnerzahl. Die Zahl der Ausländer steigt dagegen, und zwar von 12,7 Prozent 1998 je nach Variante bis auf 16,2 Prozent, 17,3 oder 18,4 Prozent.

Auffallend ist die Verschiebung der Altersstruktur bis 2010. Einerseits wächst die Zahl der Kinder unter sechs Jahren nach der mittleren Variante von 167 000 auf rund 175 000 oder 4,5 Prozent. Dabei wird vor allem im Ostteil der Stadt nach dem Geburtenrückgang nach der Wende wieder mit mehr Babys gerechnet. Andererseits wird der Rückgang der Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren von 420 000 auf 334 000 vorausgesagt - von zwölf auf zehn Prozent der Gesamtbevölkerung.

Dagegen steigt der Anteil der Bürger über 65 Jahre bis 2010 deutlich von 14 auf 18 Prozent, das heißt von rund 470 000 auf 606 000. Der Zuwachs macht sich besonders bei den 65- bis 75-Jährigen. Ihr Anteil steigt von 250 000 auf 366 000 oder von 7,3 auf 10,9 Prozent der Gesamtbevölkerung. Nach der mittleren Variante werden im Jahr 2010 in Berlin 524 000 Bürger mit ausländischem Pass leben (1998: 431 600). Der erwartete Einbürgerungsprozess reduziere die Zunahme des Ausländeranteils, heißt es. Aber die Zahl der Ausländer über 65 Jahre werde sich von 145 000 auf 287 000 fast verdoppeln.

Die Prognostiker erwarten, dass die Abwanderung ins Umland nachlässt und sich bis 2006 bis auf 10 000 Personen pro Jahr einpendeln wird. Bisher zeigte die Kurve der Wanderungsverluste ins Umland steil nach oben (1993: 4000; 1995: 15 000; 1998: 30 000). Lediglich eine Schätzzahl konnte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung über die Zuwanderung nach Berlin durch den Hauptstadtumzug nennen - etwa 10 000 bis 15 000. Bis 2010 erwarten die Prognostiker einen Zuwanderungsgewinn von etwa 43 000 Menschen aus den alten Bundesländern und 31 000 aus den neuen. Innerhalb Berlins wird mit weiteren Wegzügen aus den Innenstadtbezirken in die Außenbezirke gerechnet.

Nach der Einheit hatte der Senat war davon ausgegangen, dass sich die Bevölkerungszahl bei 3,5 Millionen einpendeln würde. Die erste wissenschaftliche Prognose wurde jedoch erst 1997 von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder vorgelegt. Damals hieß es, ab 2005, spätestens ab 2010 werde die Bevölkerungszahl wieder steigen. Angesichts der gestern vorgelegten zweiten Prognose eines weiteren Rückgangs beschwichtigte Senatssprecher Michael Andreas Butz: "Prognosen haben sich Gott sei Dank nie als treffsicher erwiesen." Man könne "nichts Beunruhigendes" feststellen. Wichtig sei die Betrachtung der Region Berlin-Brandenburg: "Die Kaufkraft bleibt in der Region, und Berlin profitiert davon." Allerdings lese der Senat an den Zahlen die Aufforderung zur "attraktiven Stadtgestaltung" ab. Berlin habe auf die soziale Stadtentwicklung zu achten, auf den Wohnungsbau für Anspruchsvolle, auf die Attraktivität der Stadt für "junge Talente".

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