Berlin : Mehr gedenken

Werner van Bebber

beglückwünscht den Deutschen Bundestag Vor lauter Bedeutung weiß man kaum noch, wofür das Brandenburger Tor steht. Das beginnt mit Freiheit und endet mit einer Berliner Biermarke. Nun hat der Bundestag beschlossen, die Umgebung des Tores mit „Denkzeichen“ zu versehen, und das ist auch gut so. An einem mit Bedeutung so beladenen und so heiteren Platz ist Raum für zwei widersprüchliche, in ihrer Mischung sehr deutsche Gefühle, für Trauer und euphorische Freude. Auf der West- und der Ost-Seite des Tores soll an die Toten an der deutsch-deutschen Grenze erinnert werden. In einem U-Bahn-Tunnel unter dem Platz sollen Fotos zu sehen sein, die die gerne depressiven Deutschen an die Freudenausbrüche zum Mauerfall 1989 erinnern. Es wird nicht jeden freuen, dass damit der pathetisch-private Gedenkort am Checkpoint Charlie seine Berechtigung verliert. Vorgaben für den neuen Gedenkort gibt es nicht. Man muss – wegen der merkwürdigen Erfahrungen mit dem Holocaust-Mahnmal – auf Bescheidenheit, Verzicht auf leere Symbolik und auf Klarheit hoffen.

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