Berlin : Mehr Kontrollen gegen Nacht-Raser

WERNER SCHMIDT

Rennen für Polizei ein "typisch rowdyhaftes Verhalten"VON WERNER SCHMIDT BERLIN.Gegen die PS-Protzerei vorwiegend jugendlicher Autofahrer scheint es kaum ein Mittel zu geben.Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, weil sich zwei Fahrer an einer Ampel mit aufheulenden Motoren gegenseitig zu einem Straßenrennen "einladen".Dann geht es ohne Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer mit teils über 100 Stundenkilometer durch die Innenstadt.Ein derartiges von der Polizei als "typisch rowdyhaftes Verhalten" bezeichnetes Kräftemessen endete, wie berichtet, in der Nacht zu Sonntag für fünf Menschen im Krankenhaus. Die Polizei will diese "spontane Stechen" nicht als illegale Autorennen werten.Die dreispurig ausgebaute Strecke Hasenheide, Südstern und Yorckstraße biete sich nachts geradezu an, um schnell zu fahren, sagte ein Beamter aus Kreuzberg.Um Rennen und Unfälle künftig zu verhindern, sollen die nächtlichen Kontrollen verstärkt werden. Ein Polizeisprecher sagte, daß es organisierte illegalen Autorennen, wie sie noch vor einem Jahr zum Beispiel auf dem Vorplatz des Olympiastadions stattgefunden haben, heute nicht mehr gebe."Aber es gibt das Phänomen, daß sich zwei an einer Ampel treffen und dann gegenseitig anstecken".Dies sei nicht zu kontrollieren.Nicht selten gehen solchen Rennen auch Lokal-Besuche voraus, die Fahrer sind angetrunken.Dies führte im Dezember 1996 auf der Köpenicker Straße in Marzahn zu einem Unfall, bei dem ein 29jähriger Beifahrer starb.Die beiden stark alkoholisierten Fahrer kamen dagegen mit leichten Verletzungen davon.Einen Monat zuvor war ein 18jähriger Fahrer gegen zwei andere Fahrzeuge angetreten und mit 110 Stundenkilometer über die Hasenheide gerast.Eine Polizeistreife stoppte ihn, und er wurde seinen erst zwei Monate alten Führerschein los. Im September vergangenen Jahres hatten sich mehrfach über hundert Autofahrer auf dem Olympischen Platz versammelt und waren gegeneinander angetreten.Die Polizei, die erst relativ spät von den Rennen erfahren hatte, griff durch: Sie überprüfte sämtliche Autofahrer und Schaulustige, notierte sich die Kennzeichen und erstattete eine Menge Anzeigen, weil viele der Fahrer ihre Autos frisiert hatten, die Änderungen aber weder vom TÜV abgenommen noch in die Fahrzeugpapiere eingetragen waren. Ihren Anfang hatten die illegalen Beschleunigungsrennen über eine vorgegebene Distanz in Brandenburg genommen.Dort war es sogar zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und erbosten Schaulustigen gekommen.Aber auch im Berliner Umland ist von diesen organisierten illegalen Rennen kaum noch etwas zu hören.

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