Berlin : Mehr rechte Straftaten, aber deutlich weniger Gewalt

Frank Jansen

Die Berliner Sicherheitsbehörden haben im vergangenen Jahr deutlich mehr rechte Straftaten registriert als 2000. Mit 504 Delikten wurden die Zahl des vorletzten Jahres (333) um über 50 Prozent übertroffen. Die Gesamtzahl teilt sich auf in 301 (2000: 207) rein rechtsextremistische Straftaten, 122 (56) antisemitische und 81 (70) fremdenfeindliche. Dies wurde jetzt aus Sicherheitskreisen bekannt. Angesichts der im vergangenen Jahr bundesweit erheblich ausgeweiteten Zählweise ist allerdings unklar, ob die Zunahme auch einem realen Anstieg entspricht. Nach Auskunft von Experten wurden bis zum Jahr 2000 bei der alten Erfassungsmethode oftmals Straftaten, vor allem Hakenkreuz-Schmierereien und andere Propagandadelikte, nicht als politisch motiviert gewertet.

Um so überraschender ist nun der Rückgang der rechten Gewalttaten, den die Sicherheitsbehörden trotz der ausgeweiteten Zählweise festgestellt haben. Demnach gab es 2001 insgesamt 22 Gewaltdelikte, im Jahr 2000 waren es mit 39 fast doppelt so viele. Die neue Gesamtzahl setzt sich zusammen aus 9 rechtsextremistischen Gewalttaten (2000: 14) und 13 fremdenfeindlichen - im vorletzten Jahr waren es noch 25. Wie 2000 schon registrierten die Behörden auch 2001 in Berlin kein antisemitisches Gewaltdelikt.

Eine Erklärung für die Abnahme rechter Gewalt gibt es nicht. Experten hatten eine höhere Gewalttaten-Zahl befürchtet. Erwartet wurden vor allem Racheakte nach dem islamistischen Terrorangriff auf die USA am 11. September. Neonazis und andere Rassisten scheinen jedoch auf "Resonanztaten" weitgehend verzichtet zu haben.

Nach der Bezirksfusion ist es schwierig geworden, die rechten Straftaten dem West- und dem Ostteil zuzuordnen. Dies zeigt sich schon bei dem Bezirk, in dem die meisten Delikte verübt wurden. Mitte, das sich aus dem einstigen Ostbezirk gleichen Namens sowie Wedding und Tiergarten zusammensetzt, führt die Statistik an. Es folgen die reinen Ostbezirke Lichtenberg-Hohenschönhausen und Pankow. Danach kommen Friedrichshain-Kreuzberg, Treptow-Köpenick und Charlottenburg-Wilmersdorf.

In den Jahren zuvor hatten die östlichen Bezirke deutlich mehr rechte Straftaten hinnehmen müssen als der Westteil der Stadt. So wurden 2000 knapp 75 Prozent aller einschlägigen Delikte im Osten verübt.

Zu den härtesten rechten Gewalttaten des vergangenen Jahres zählt der Überfall von zwei rechtsextremen Skinheads auf eine Gruppe japanischer Studenten. Die 14 und 17 Jahre alten Kahlköpfe griffen die Asiaten in Schmöckwitz (Köpenick) an. Die Studenten einer Tokioter Privatuniversität wurden angepöbelt, geschlagen und mussten ihre Geldbörsen herausgeben. Einer der Japaner konnte sich nur durch die Flucht in den eiskalten Zeuthener See vor den Skinheads retten.

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