Berlin : Mein Haus, mein Auto, meine Riva

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Von Andreas Conrad

Idealerweise braucht man fürs Leben auf dem Wasser zwei Fahrzeuge, eine Yacht wie die „Christina“, um eine Callas angemessen zu beherbergen, und ein Sportboot, um die Angebetete standesgemäß vom Steg abzuholen. Für Aristoteles Onassis war es keine Frage, dass es ein Boot aus dem Hause Riva sein musste. Und für Anthony Quinn und Jane Seymour gewiss auch nicht, als sie das Traumpaar vor der Kamera mimten und dabei einige Male in einer Riva Platz nahmen.

Tycoons wie der alte Grieche sind heute selten, aber im Wirtschaftsleben spielen Rivas nach wie vor ihre Rolle. Ja, man kann geradezu von einer Renaissance sprechen, hat doch etwa die Werbebranche den italienischen Mahagoni-Chic entdeckt und sich die beworbenen Produkte mit dem Riva-Glanz veredeln lassen. Und einer wie Bernd Fritz, Vizepräsident des in Hamburg ansässigen Riva Clubs Deutschland, weiß sowieso zu schätzen, wie nahtlos private Leidenschaft und berufliches Interesse sich an Bord einer Riva verbinden lassen. Er selbst besitzt gleich mehrere Exemplare, und die „Grundschicht“ seiner Bräune, so verrät er gern, stammt aus Monaco. Seine Berufsbild beschreibt er mit Unternehmens- und Personalberatung, Marketing und Eventmanagement, und er weiß aus Erfahrung, wie gerne sich Wirtschaftskapitäne mal auf eine Riva einladen lassen, um erst Sonne und Wellen zu genießen und dann konzentriert und ohne die Ablenkungen des Berufsalltags wegweisende Entscheidungen zu fällen.

Aber wer will schon an Alltag denken, hier draußen auf dem Rummelsburger See. Die Sonne lacht, als meinte sie Monaco, leise glucksen die Wellen um die an einem Schwimmsteg vertäuten 27 Rivas, die hier für die „Riva Days Berlin“ zusammengekommen sind. Das Einzige, was ihren Besitzern jetzt noch den Tag verderben könnte, wären Flecken von aufgeweichtem Teer auf Mahagonirumpf oder gar Polstern. Willkommen an Bord, aber vorher die Schuhe ausziehen. „Hermes“ - was für ein für ein Boot, welche Verheißung! Götterbotengleich über das Wasser zu fliegen, von zwei Achtzylindern mit je 195 PS vorangetrieben, „unsere Stereoanlage“, wie Eigner Konrad Börries es mit dezentem Humor umschreibt. Noch ein paar Details gefällig? 40 Seemeilen Spitze, aber das führt dann tatsächlich zum „Strudel im Tank, das kann man direkt hören“. Beschleunigt man dagegen moderat, bleibt auch der Durst der „Tritone“ vergleichsweise bescheiden.

Ein übrigens von James Bond persönlich erprobtes Modell. 1963, in „Liebesgrüße aus Moskau“, entkam er seinen Verfolgern, indem er Treibstofftonnen über Bord warf und und in Brand schoß. Aber derlei Geschichten braucht Konrad Börries nicht, um der Faszination seiner Riva immer aufs Neue zu erliegen. Und nur noch beiläufig erzählt er, dass sein Boot ursprünglich Axel Cäsar Springer gehört hatte, der es 1966 bei dem italienischen Bootsbauer Carlo Riva orderte, dann aber nur wenige Jahre auf dem Wannsee nutzte und wieder verkaufte. Gewissermaßen ist es jetzt ein Firmenboot, ist doch Börries, Inhaber und Geschäftsführer der Zweite Hand Gruppe, über eine Geschichte in dem 1998 gegründeten Ableger „Bootshandel“ darauf gestoßen. 18 Jahre lag die „Tritone“, durch die Seriennummer 258 als das letzte der Reihe ausgewiesen, bei einem Bootshändler in Rhumspringe im Harz. Kaufangebote hatte der Händler stets abgewiesen, diesmal fasste er Vertrauen zu dem Interessenten. Mittlerweile dient „Hermes“ als eine Art rollender Ausstellungsstand bei Auftritten des „Bootshandels“ und vier Wochen im Jahr dem, wofür es gedacht war: dem Vergnügen auf dem Wasser.

Ein Boot für Individualisten, umschreibt es Bernd Fritz. So spielten die Bootsführer mittags bei der Parade auf der Spree in Treptow denn auch höchst individuelle Rollen: vorneweg „Hermes“ unter der Deutschlandfahne, später ein Franzose, der mit den Füßen lenkte, ein Boot mit Flitterband und Gitarre behängt, eines mit bescheiden winkenden Insassen und eines mit Badenixen im züchtigen Einteiler. Die Rollen von Gunter Sachs und Brigitte Bardot blieben unbesetzt.

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