Meine Woche (104) : Jubiläum

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 26,ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali
Newcomer Ahmad Al-Dali.
Newcomer Ahmad Al-Dali.Photo: Georg Moritz

Ahmad, jetzt sprechen wir schon seit zwei Jahren jede Woche für diese Kolumne miteinander.

Die Zeit ist so schnell vergangen, das ist verrückt.

Was war das Beste, das Ihnen in dieser Zeit passiert ist, was das Schlechteste?

Das Beste: Ich bin mit meiner Freundin Toni zusammengekommen. Das Schlechteste: Ich habe mir die Schulter gebrochen und bin depressiv geworden.

Sind die Depressionen mittlerweile besser?

Ich nehme jetzt Tabletten dagegen. Mit allen Nebenwirkungen: Meine Allergien sind schlimmer, ich bin müde, manchmal habe ich keine Lust auf andere Leute. Aber ich probiere jetzt viele verschiedene Präparate aus und bin zum Glück in einer guten Psychotherapie.

Wäre es in Syrien gesellschaftlich akzeptiert, so offen über eine Depression zu reden?

Einige würden jemanden, der eine Psychotherapie macht, als bekloppt abstempeln. Ich denke, Depressionen nimmt man in Syrien nicht ernst. Da heißt es dann: Du musst dich einfach mal richtig entspannen, dann wird das wieder. Das ist mir allerdings auch in Deutschland schon bei Freunden passiert. Denen musste ich erklären: Hey, das ist wirklich eine Krankheit.

Wie haben Sie sich in den letzten zwei Jahren verändert?

Ich bin gelassener geworden, nicht mehr so nervös. Ich weiß jetzt zum Beispiel: Auch wenn das Jobcenter Nein sagt, gibt es immer noch einen anderen Weg.

Und was haben Sie von den Deutschen gelernt?

Nein zu sagen. Das konnte ich früher nie, aber ab und zu ist es wirklich nötig. Und dass man vor dem Trinken ordentlich essen, eine Grundlage schaffen sollte.

Welches Wort geben Sie uns heute mit?

Jubiläum. Das heißt Zekra sanawih auf Arabisch.

Die Fragen stellte Maria Fiedler. Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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