Meine Woche (30) : Feier(n)

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 25, ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, wie war der Berliner 1. Mai für Sie? Demonstrieren wollten Sie ja nicht.

Es war super! Und ich war am Ende doch demonstrieren, zum ersten Mal in meinem Leben. Meine Berliner Freunde, die ja sehr politisch sind, haben mich mitgenommen. Wir waren am Oranienplatz in Kreuzberg und am Karl-Marx-Platz in Neukölln unterwegs, nur zum Görlitzer Park sind wir nicht, dort gab es ja später Zusammenstöße mit der Polizei.

Und wogegen haben Sie demonstriert?

Gegen Abschiebung, gegen Kapitalismus, gegen Faschismus. Und für „everybody welcome“. Um mich herum waren überall Punks, das fühlte sich ganz vertraut an. Und gefeiert haben wir neulich auch, auf einer Soli-Party für Flüchtlinge.

Waren Sie in Syrien viel unter Punks? Das klingt jetzt ein bisschen so.

Ich habe sogar in einer Punkband Bass gespielt. Wir haben uns „Dead End“ genannt, die Sackgasse. Das war ganz passend, weil wir alle wussten, dass wir bald das Land verlassen werden und es mit der Band nicht weitergeht.

Als Mitglied einer Punkband haben Sie in Syrien wohl auch viel gefeiert.

Nein, gar nicht. Meine Freunde haben viel getrunken. Aber für mich: kein Alkohol, keine Zigaretten, keine Party.

Warum denn nicht?

Ich war aufs Lernen konzentriert. Ich wollte ein Haus bauen für mich und meine Verlobte. Das hat ja nicht mehr geklappt, wie man weiß.

Dafür in Berlin jetzt Rock’n’Roll?

Ja, das hier ist eine neue Erfahrung für mich. Meistens gehe ich auf Hauspartys, aber auch in Clubs wie den Ritter Butzke. Oh, und toll übrigens auch: Ich spiele bald auch wieder in einer Band, in einer Metal-Band, um genau zu sein!

Welches Wort geben Sie uns denn diese Woche mit auf den Weg?

Weil es jetzt zu meinem Leben gehört: Ehtifal. Das heißt Feier oder auch: Feiern.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

Die Fragen stellte Maria Fiedler.

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