Meine Woche (55) : Film

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 25,ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, das Wichtigste zuerst: Wie ist die Sache im Jobcenter ausgegangen? Haben Sie noch eine zweite Chance bekommen?

Ich hatte ja wegen meiner Depression so viele Sprachstunden verpasst, dass die Schule mich rausgeworfen hat. Der Typ im Jobcenter war aber sehr nett. Hat sich trotzdem angefühlt, als wäre er mein Vater und würde mir eine Predigt halten.

Aber Sie dürfen wieder zur Schule?
Ja, ich muss jetzt die Zähne zusammenbeißen und das durchziehen. Dass ich die Sprache lerne, ist ja eine Bedingung dafür, dass ich bleiben kann. Mein Deutsch ist zum Glück jetzt schon viel besser als noch vor einigen Monaten.

Na, dann ist ja alles noch mal gut ausgegangen. Wo sind Sie gerade?
Bei den Filmtagen in Hof mit meiner Mitbewohnerin und Freundin Toni.

Spannend! Was haben Sie gesehen?
Zum Beispiel „Bist du Beatles oder Stones – Neuköllner Jungs“. Das ist eine Dokumentation über eine Gruppe älterer Männer, die ihre Jugend in den 60ern in Neukölln verbracht haben.

Und? War der gut?
Ehrlich gesagt bin ich nach der Hälfte eingeschlafen. Weil es keine Untertitel gab und mein Deutsch doch noch nicht gut genug war, um alles zu verstehen.

Mögen Sie grundsätzlich deutsches Kino?
Sehr gerne! Mir gefallen experimentelle und Independent-Filme. Die laufen auch in Berlin viel.

Gehen Sie häufig ins Kino?
Ja, zum Beispiel ins Babylon in der Dresdner Straße. Aber auch die kleinen Indie-Kinos am Oranienplatz und in der Nähe vom Boxhagener Platz sind toll.

Schauen Sie auch arabische Filme?
Nicht so gern. Die werden oft in Ägypten gedreht und sind ziemlich kitschig und klischeehaft. Hollywood-mäßig.

Welches Wort geben Sie uns heute mit?
Aflam ist das arabische Wort für Film.

Die Fragen stellte Maria Fiedler.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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