Meine Woche (58) : Musik

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 26,ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, Sie hatten gestern Geburtstag! Alles Gute! Haben Sie sich etwas gewünscht?
Ich habe gestern Morgen daran gedacht, wie schön es wäre, in einer Welt zu leben, in der niemand ein anderer sein will und in der jeder seinen Seelenfrieden hat. Kitschig, oder?

Ein bisschen vielleicht. Aber trotzdem ein guter Wunsch. Und ihre Geburtstagsfeier? Große Party?
Ich wollte das lieber im kleinen Kreis feiern, mit den besten Freunden und Musik.

Selbst gemachter?
Ja. Meine Mitbewohnerin Nora spielt Gitarre und Cello und hat so eine schöne Stimme. Ich liebe es, wenn sie singt.

Sie beide machen auch gelegentlich zusammen Musik, oder?
Ja. Singer-Songwriter-Syle, das ist ihr Ding. Ich spiele dann Bassgitarre. Oh, da fällt mir ein, was ich noch erzählen wollte: Ich habe einen zehntägigen Workshop gemacht zur elektronischen Musikbearbeitung. Da kam am Ende ein Song raus, bei dem ich auch gerappt habe. Der Liedtext war von mir.

Cool! Wovon handelte das Lied?
Davon, wie sich mein Leben verändert und wie schlimm es um mein Land steht. Es ist ein politischer Song.

Geben Sie uns eine Kostprobe?
Das kann man schlecht aus dem Arabischen übersetzen. Lieber zitiere ich Ihnen einen meiner englischen Songtexte: „Faces melting of anger, people made of ice. Someone is taking over, others paying the price. Raining bombs, raining money, raining fame, rain is no longer nice.“

Bedrückend. Gibt es auch deutsche Musik, die Ihnen gefällt?
Zum Beispiel die Punkband Feine Sahne Fischfilet. Unsere Lehrerin hat uns auch das Lied „Oft gefragt“ von Annen May Kantereit mitgebracht, das ist schön.

Welches Wort geben Sie uns heute mit?
Musik heißt auf Arabisch moseaa.

Die Fragen stellte Maria Fiedler.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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