Meinung : Die Landesbibliothek gehört auf das Kulturforum

Das Kulturforum wäre ein idealer Standort für die Landesbibliothek, meint Franziska Eichstädt-Bohlig, Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Sprecherin für Stadtentwicklung.

Franziska Eichstädt-Bohlig
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Franziska Eichstädt-Bohlig (Die Grünen): "Beim Kulturforum werden alte Pläne ohne Substanz aus der Schublade gezogen." -Foto: Thilo Rückeis

Der Berliner Senat betreibt gerne Städtebau ohne inhaltliche Klarheit. Das ist so beim Marx-Engels-Forum, beim Molkenmarkt, rund um den Hauptbahnhof und besonders beim Tempelhofer Feld. Nun werden auch beim Kulturforum alte Pläne ohne Substanz aus der Schublade gezogen. Aber bevor wieder Zwischennutzungen und virtuelle Masterpläne öffentlich zerredet werden, müssten erst die Inhalte geklärt werden. Ganz nach dem Prinzip: Form folgt der Funktion.

1. Es muss Klarheit über die längerfristige Erhaltung der Gemäldegalerie geschaffen werden. Eine Verlagerung der Gemäldegalerie in Richtung Museumsinsel hätte man 1990 vor Baubeginn auf dem Kulturforum beschließen können. Angesichts leerer Kassen ist den Bürgern in den nächsten Jahren eine Neuinvestition für die Gemäldegalerie nicht zu vermitteln. Außerdem würde dies das Kulturforum weiter schwächen, während die Mitte mit Museumsinsel, Humboldtforum, Historischem Museum etc. bald museal überfrachtet sein wird.

2. Der große Leerraum zwischen Nationalgalerie und Kammermusiksaal bietet sich als Standort für die Raum suchende Berliner Landesbibliothek an. Die Planung des Senats, die Landesbibliothek in die Südwestecke des Tempelhofer Feldes an Ringbahn und Autobahn zwischen künftige Gewerbenutzung zu klemmen, ist absurde Standortpolitik und verschenkt die Potenziale dieser wertvollen Kultureinrichtung. Hier muss dringend ein zentraler Standort gesucht und gefunden werden – warum nicht auf dem Kulturforum?

3. Die Einrichtungen des Kulturforums – Philharmonie, Staatsbibliothek, Neue Nationalgalerie, Gemäldegalerie, Kupferstichkabinett, Musikinstrumenten-Museum und Matthäuskirche – brauchen ein gutes Kooperationskonzept. Dabei geht es nicht nur um einen gemeinsamen Programmzettel, sondern auch um Fragen der städtebaulichen Orientierung: Wie kann die Verkehrsanbindung für die Besucher vereinfacht werden? Wie können die Zugänge zu den Gebäuden besser aufeinander bezogen werden? Soll es gemeinsame Veranstaltungen und ein gemeinsames Besucherzentrum mit Café geben?

Erst mit solchen inhaltlichen Weichenstellungen wird es interessant, an die baulichen Konsequenzen zu gehen. Derzeit besteht das Kulturforum aus einzelnen beziehungslosen Solitären. Keines der Gebäude öffnet sich sinnfällig zur Forumsmitte. Eine übersichtliche Erschließung für Fußgänger gibt es nicht. Es gibt keinen Schutz vor dem Verkehrslärm der Potsdamer Straße. Die steinerne Rampe zur Gemäldegalerie ist seit langem als abstoßendes Monstrum bekannt. Auch das Kunstgewerbemuseum ist ein abweisender Baukörper. Das Pflanzen von ein paar Bäumen zur Zwischennutzung ist sicher besser als nichts – aber zu einem echten Forum wird das Kulturforum dadurch nicht. Auch ein Masterplan, der die Kulturbauten mit klobigen Privatimmobilien umzingelt, ist dafür nicht sehr zweckdienlich.

In jedem Fall gilt: Wenn das Kulturforum neue Kraft gewinnen soll, muss zunächst eine gute Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Einrichtungen, dem Senat und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz aufgebaut werden. Erst dann ist die Planung für eine Umgestaltung des Kulturforums sinnvoll. Sonst hat Berlin ein weiteres halbgares Großprojekt. Das kann sich die Stadt nicht leisten.

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