• „Mensch, Thomas, bei mir gluckert’s“ Was ein ausgezeichneter Hausmeister zu tun hat

Berlin : „Mensch, Thomas, bei mir gluckert’s“ Was ein ausgezeichneter Hausmeister zu tun hat

Straße der Besten. Thomas Grätz ist einer von sechs Hausmeistern, die für ihre Arbeit ausgezeichnet wurden. Foto: privat
Straße der Besten. Thomas Grätz ist einer von sechs Hausmeistern, die für ihre Arbeit ausgezeichnet wurden. Foto: privat

Bei einem Fest in den Gärten der Welt hat Berlins größte Wohnungsbaugesellschaft, die Degewo, am Freitag die „Hausmeister des Jahres“ ausgezeichnet. Von Mietern und Kundencentern wurden sechs der 142 Hausmeister des Unternehmens als Gewinner gewählt. Thomas Grätz aus der Joachim-Ringelnatz-Siedlung in Biesdorf ist einer von ihnen.

Herr Grätz, wie wird man ein ausgezeichneter Hausmeister?

Ich bin seit 23 Jahren in diesem Job und war ja schon bei der Grundsteinlegung der Siedlung dabei. Die Mieter kennen mich alle; mit den meisten bin ich per Du. Ich habe für jeden ein offenes Ohr und bin sofort da, wenn Not am Mann ist.

Wann ist denn typischerweise Not am Mann?

Bei den Gewittern in dieser Woche ist an vielen Stellen Nässe in die Wohnungen eingedrungen. Da sage ich den Leuten, welche Schäden sie ihrer Hausratversicherung melden müssen und kümmere mich, dass sie schnellstens einen Maler bekommen – oder das selbst machen und dafür Geld erstattet bekommen.

Und wenn es nicht gewittert?

Ein großes Problem sind die Mischbatterien, bei denen die Umstellung zwischen Dusche und Hahn nicht mehr funktioniert. Da entscheide ich vor Ort, was ich repariere oder austausche. Oft laufen auch Spülkästen übers Wochenende. Da muss ich sofort Material bestellen, damit das möglichst am nächsten Tag da ist. Ich bin einer der Flinken und der Schnellen. Ich türme gar nichts erst auf und weiß bei Feierabend, was ich am nächsten Tag machen will. Aber ich lasse mir auch ein paar Lücken für das, was aktuell anliegt. In meinem Hausmeisterbriefkasten landen ja ständig neue Anliegen. Nach dem Wochenende quillt er immer über.

Rechnerisch ist jeder Degewo-Hausmeister für reichlich 500 Wohnungen zuständig. Wie viele haben Sie?

Ich betreue die komplette Joachim-Ringelnatz-Siedlung mit 66 Eingängen und elf Heizstationen. Außerdem ein Gewerbe- und Wohngebiet an der Wuhlestraße mit Physiotherapie, Kosmetikstudio, Fahrschule, Tattoostudio und mehr. Auch da kommen die Leute und sagen, Mensch, Thomas, bei mir gluckert es in der Toilette – und dann komme ich. Die Hauptarbeit sind außerdem Wohnungsabnahmen und Übergaben.

Ist Marzahn aus Hausmeistersicht eigentlich ein Problemkiez?

Wir sind ja hier gerade noch in Biesdorf, wo wir flachere Häuser mit Tonnendächern haben – nicht das Marzahn mit den Hochhäusern. Ich sag’ mal so: Ich bin glücklich, dass ich hier bin bei meinen Mietern und nicht anderswo.

Worüber freut sich ein Hausmeister am meisten?

Über die Anerkennung der Mieter.

Und was bringt ihn zur Weißglut?

Arroganz. So in der Art: Wir zahlen ja einen Haufen Miete. Solchen Leuten sage ich dann, dass ich auch in einer Wohnung lebe, für die ich Miete zahle.

Was weiß ein guter Hausmeister über seine Mieter?

Alles.

Gibt es nichts, was Sie lieber nicht wissen wollen?

Ich bin ja Mädchen für alles, Feuerwehrmann und Seelsorger. Ich höre mir alles an.

Das Gespräch führte Stefan Jacobs.

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