Menschen helfen : Was Selbsthilfe kann

Von Gesprächsgruppe bis Youtube-Channel - Berlin ist eine „Hochburg“ für Selbsthilfe.

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Selbsthilfe ist heute längst nicht mehr auf Gesprächsgruppen von Alkoholikern und Menschen mit Behinderung beschränkt.
Selbsthilfe ist heute längst nicht mehr auf Gesprächsgruppen von Alkoholikern und Menschen mit Behinderung beschränkt.Foto: dpa

Jette hat Fibröse Displasie, die Krankheit hat ihr Gesicht verformt. Dennoch hat die junge Frau einen Youtube-Beauty-Channel eröffnet und bekommt dafür viel Zuspruch – eine moderne Form der Selbsthilfe.

Selbsthilfe ist heute längst nicht mehr auf Gesprächsgruppen von Alkoholikern und Menschen mit Behinderung beschränkt, mit denen die Selbsthilfebewegung vor mehr als 30 Jahren begann.

Ob Adipositas, Multiple Sklerose, Phobien, Depressionen oder andere körperliche oder seelische Probleme: Für Betroffene ist der Austausch mit anderen heilsam und oft nicht weniger wichtig als der Gang zum Arzt oder Psychologen.

Eindrucksvolle Belege für die Vielfalt von Selbsthilfe hat der Verband der Ersatzkassen (vdek) in einer Fotoausstellung und dem Bildband „Das kann Selbsthilfe!“ zusammengestellt. „Selbsthilfe wird wichtiger auch für psychische, chronische und seltene Erkrankungen“, sagte Ulrike Elsner, vdek-Vorsitzende, beim Tagesspiegel-Fachforum Gesundheit im Verlagshaus am Askanischen Platz.

Das kann Selbsthilfe! Die Ergebnisse des Fotowettbewerbs in einer Wanderausstellung, hier im Tagesspiegel-Gebäude.
Das kann Selbsthilfe! Die Ergebnisse des Fotowettbewerbs in einer Wanderausstellung, hier im Tagesspiegel-Gebäude.Foto: Thilo Rückeis

Mit dem Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention haben die gesetzlichen Kassen dafür dieses Jahr 74 Millionen Euro zur Verfügung (2015: 43 Millionen Euro). Berlin sei eine „Hochburg der Selbsthilfe“, sagte der Berliner Staatssekretär für Soziales Dirk Gerstle, aktuell gibt es 1422 Gruppen. In Brandenburg dagegen fehlt es laut Sozialministerin Diana Golze vielerorts an Nachwuchs, die langen Wege erschwerten die Arbeit. Neue Chancen eröffnen digitale Kommunikation und virtuelle Gruppen. Aber, sagte Angelika Vahnenbruck, Leiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle in Mitte: „Auch für junge Leute bleiben Face-to-Face-Gruppen wichtig.“

In Berlin gibt es zwölf Selbsthilfe-Kontaktstellen. Die Kontaktadressen und viele Informationen gibt es unter www.sekis.de. Bundesweite Infos unter: www.nakos.de

Berlin ist eine "Hochburg der Selbsthilfe": Staatssekretär Dirk Gerstle beim Tagesspiegel-Fachforum Gesundheit.
Berlin ist eine "Hochburg der Selbsthilfe": Staatssekretär Dirk Gerstle beim Tagesspiegel-Fachforum Gesundheit.Foto: Thilo Rückeis
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