Berlin : Menü auf Rädern: Wenn der Essensbote das millionste Mal klingelt

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Ganz aufgeregt stehen Heinz und Inge Müller-Zimmermann im Wohnzimmer ihrer Altbauwohnung in Wilmersdorf. Das Seniorenpaar erhält heute das einmillionste Menü auf Rädern. So viele Gerichte wurden in diesem Jahr an Berliner Esstische ausgeliefert. Die 76-Jährigen sind umringt von Leuten, ein Blumenstrauß wird überreicht, dann folgt Blitzlichtgewitter. Für die beiden ein stattliches Programm. Seit vier Jahren bekommen sie bereits ihr Essen vom fahrbaren Mittagstisch, den das Deutsche Rote Kreuz vor 28 Jahren gegründet hat.

Ältere Menschen will das Unternehmen des Roten Kreuzes trotz körperlicher Gebrechlichkeiten zu Hause versorgen, damit sie in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können.

Nach mehreren Knochenbrüchen bestellte auch Inge Müller-Zimmermann 1996 den Service; die beiden Eheleute haben ihn bis heute behalten. Ums Essen kümmert sich seitdem Ehemann Heinz. Er nimmt die Menüschachteln vom Boten in Empfang, macht die Mahlzeiten warm und richtet sie an. "Mein Mann kümmert sich um alles. Ich darf fast nichts mehr tun!", sagt Inge Müller-Zimmermann und scheint ein bisschen stolz darauf zu sein. Mit dem Lieferanten haben sie ein Klingelzeichen ausgemacht. Schellt es entsprechend an der Tür, geht der Pensionär die vier Stockwerke hinunter und holt die Behälter ab. "Da wir keinen Fahrstuhl haben, kann ich dem Boten das doch nicht zumuten", sagt der ehemalige Beamte.

Haben die beiden ein Lieblingsessen? "Kaiserschmarrn" schwärmt Frau Müller-Zimmermann. Ihr Mann sagt, er wäre mehr für die "Hähnchenbrust, oder wie das heißt". Das Gericht, das auf der Karte "Poulardenfilet mit Leipziger Allerlei" genannt wird, mag er besonders. "Ich kann das gerne häufiger haben", sagt er. Ob nun das eine oder die über 200 anderen angebotenen Gerichte: Drei Wochen lang können die beiden ihr Menü nun kostenlos aussuchen. Dann wird es aber sicher ohne den ganzen Trubel garniert.

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