Messe Berlin : Bau eines Messehotels noch ungewiss

Noch ist nicht entschieden, ob am Hammarskjöldplatz ein Kongresshotel entsteht. Die Zukunft des ICC entscheidet sich im Frühjahr 2008.

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der Bau eines Kongresshotels auf dem Hammarskjöldplatz ist noch nicht sicher. Der Aufsichtsrat des Liegenschaftsfonds, der die landeseigene Immobilie verwaltet, hat den Verkauf des Grundstücks am Messegelände dem sicheren Vernehmen nach von der Tagesordnung genommen. Die Sprecherin des Liegenschaftsfonds, Irina Dähne, wollte das unter Hinweis auf die Vertraulichkeit der Aufsichtsratssitzung nicht bestätigen.

Michael Bremer, Berliner Filialchef der OFB Projektentwicklungs GmbH, die für das Bauvorhaben die spanische Hotelgruppe Barceló Group gewonnen hat, wusste gestern noch nicht, dass der Kaufvertrag auf Eis liegt. „Das wäre bemerkenswert.“ Zumal das 4-Sterne-Hotel mit über 400 Zimmern und 2500 Quadratmetern Kongressfläche aus einem städtebaulichen Wettbewerbsverfahren 2003 als Sieger hervorging. Die OFB engagiert sich schon seit 1999 mit Planungen für ein Kongresshotel am Süd- bzw. Nordzugang des Messegeländes.

Seit 2002 liegt ein Bebauungsplanentwurf für den Hammarskjöldplatz vor, nachdem der Senat die Planung an sich gezogen hatte, weil sie von „außergewöhnlicher stadtpolitischer Bedeutung“ sei. Die Messegesellschaft und der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf freuen sich, wie berichtet, über das neue Hotel. Auch Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) begrüßte das Bauvorhaben sehr. „Es wird den Messestandort Berlin noch attraktiver machen.“ Ähnlich reagierten die Wirtschaftsexperten von SPD und Union. „Alles, was die unmittelbare Umgebung des Internationalen Congress Centrums belebt, ist gut“, sagte Frank Jahnke (SPD). „Ein Hotel am Hammarskjöldplatz wäre nicht verkehrt; es wertet den Messeeingang auf und hilft dem ICC“, so Michael Dietmann (CDU).

Dagegen hat sich die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) mit dem neuen Projekt noch nicht intensiv befasst. Ihre Behörde gab keine Stellungnahme ab. Dem Vernehmen nach gibt es aber denkmalschützerische Bedenken. Das Hotel soll 90 Meter hoch werden. Laut Senatsbeschluss vom Februar 2001 muss aber jedes Bauvorhaben Rücksicht auf den Funkturm, das Haus des Rundfunks und den alten Nordeingang der Messe (Ehrenhalle) nehmen.

Michael Arndt, baupolitischer Sprecher der SPD, gab auch zu bedenken, dass das neue Kongresshotel, dessen Investor mit der Messe eng zusammenarbeiten will, „die Monopolstellung der Messe GmbH stärkt“. Andere private Kongresszentren, vor allem das Estrel in Neukölln, dürften dadurch keinen Nachteil erfahren. Offenkundig fällt es der rot-roten Koalition schwer, für die Berliner Messe das neue Konzept aus einem Guss zu erarbeiten, das seit Jahren angekündigt wird.

Zurzeit arbeiten drei unabhängige Gutachter im Auftrag des Senats daran, das Schicksal des 30 Jahre alten Kongresszentrums zu klären. Soll es saniert oder durch einen Neubau am Standort der Deutschlandhalle ersetzt werden? Die Stadtentwicklungsverwaltung bestätigte gestern, dass die Stellungnahme der drei Gutachter noch im Dezember vorliegen werde. Ende Januar soll sich der Beteiligungs- und anschließend der Wirtschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses mit dem Ergebnis befassen. Im Laufe des Frühjahrs, so der SPD-Politiker Jahnke, könne die Koalition entscheiden. Nicht nur über das ICC, sondern auch über das Schicksal der Deutschlandhalle und den parteiübergreifend gewünschten Neubau einer Eissporthalle an der Charlottenburger Glockenturmstraße.

SPD, CDU und Grüne wollen das ICC erhalten. „Eine Grundsanierung nach 30 Jahren ist normal und vernünftig“, so Dietmann. Das Gerücht, Investoren wollten das ICC übernehmen und für andere Zwecke umbauen, nennt er „ein Ammenmärchen“. Auch Jahnke spricht von „heißer Luft“. Wirtschaftssenator Wolf und die Linksfraktion favorisieren aber weiterhin einen Kongresshallenneubau.

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