Berlin : Messfehler beim Feinstaub

Falsche Zahlen zu Ostern – Berlin steht dicht vor dem Überschreiten der Werte

Klaus Kurpjuweit

Noch geht es der Berliner Luft vergleichsweise gut. Anders als in Stuttgart und München sind die zulässigen EU-Grenzwerte für Feinstaub in Berlin noch nicht überschritten worden. Doch eine Entwarnung gibt es deshalb nicht. Dass auch Berlin die Werte übersteigen wird, ist sicher.

In den vergangenen Tagen seien die Berliner Werte allerdings durch einen Messfehler zu hoch ausgewiesen worden, teilte die Stadtentwicklungsverwaltung gestern mit. Ausgerechnet am Ostersonnabend lagen die Werte demnach zum Teil um das Dreifache über dem zulässigen Wert. Der Fehler habe wegen der Feiertage nicht sofort behoben werden können. Die falschen Werte seien deshalb so auch an das Umweltbundesamt weitergegeben worden.

Der zulässige Grenzwert von 50 Mikrogramm Staub pro Kubikmeter Luft darf nur an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden. Stuttgart und München sind bereits so weit, Düsseldorf steht dicht davor. An der Messstelle Frankfurter Allee in Berlin wurden nach Angaben des Umweltbundesamtes die Grenzwerte in diesem Jahr bereits an 25 Tagen überschritten. An der Stadtautobahn waren es bisher 23 Tage.

Insgesamt gibt es in der Stadt 13 feste Messstationen sowie eine mobile Anlage. Zur Zahl der Stationen hat die EU keine Vorgaben erlassen. Eine Stadt wie Berlin, die auf freiwilliger Basis viele Messstationen installiert habe, stehe dann statistisch schlechter da als eine Kommune, die nur an wenigen Punkten die Schadstoffe in der Luft messe, sagte gestern die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Manuela Damianakis.

Ein statistischer Mittelwert für die gesamte Stadt wird nicht ermittelt. Entscheidend seien immer die Werte der jeweiligen Station. Anwohner der Frankfurter Allee haben deshalb bereits eine Klage eingereicht, mit der der Senat gezwungen werden soll, konkrete Schritte gegen die Feinstaubbelastung einzuleiten.

Berlin gehe mit den Stationen trotzdem dahin, wo „es richtig wehtut“, so Damianakis weiter. Eine Messstation an der Stadtautobahn, deren Werte durch eine Baustelle verfälscht worden seien, sei nun an der Neuköllner Karl-Marx-Straße installiert worden, die als stark belastet gilt.

Weitere Stationen an Straßen befinden sich am Hardenbergplatz, an der Schildhornstraße in Steglitz sowie an der Silbersteinstraße in Neukölln. Die anderen Anlagen befinden sich in Wohn- und Gewerbegebieten, am Stadtrand und im Wald.

Ein Fahrverbot für Dieselautos ohne Rußfilter, die im Verkehr einen wesentlichen Teil des Feinstaubs verursachen, schließt der Senat weiter aus. Erst von 2008 an sollen Fahrzeuge, die die EU-Norm nicht erfüllen, aus der Innenstadt verbannt werden. Um die Kontrolle zu erleichtern, hat der Senat eine Bundesratsinitiative zur Kennzeichnung der „sauberen“ Fahrzeuge gestartet. Die Sperrung von Straßen, an denen eine Messstation steht, würde, so Damianakis, den Verkehr nur dorthin verlagern, wo nicht gemessen werde.

Anregungen zum Luftreinhalteplan nimmt die Stadtentwicklungsverwaltung noch bis zum 14. April entgegen. Die noch bis Donnerstag ausgelegten Unterlagen an der Brückenstraße 6 in Mitte haben bisher nach Angaben von Damianakis nur ein geringes Interesse gefunden.

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