Berlin : Mifegyne: Pro Familia will die Abtreibungspille

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Pro Familia Berlin bezeichnete es gestern als "Skandal", dass der Vertrieb der Abtreibungspille Mifegyne zum Jahresende in Deutschland eingestellt werden soll. Der deutsche Lizenznehmer Femagen hatte dies, wie berichtet, mit einer zu geringen Zahl von Verordnungen begründet. Tatsächlich wurden im ersten Halbjahr 2000 in Berlin nur 153 Schwangerschaften mit Mifegyne abgebrochen, gegenüber 6320 operativen Abbrüchen. Die Absicht, einen medikamentösen Abbruch vornehmen zu lassen, hätten aber sehr viel mehr als 2,4 Prozent der ratsuchenden Frauen geäußert, sagt Marianne Rademacher, Ärtzin bei Pro Familia.

Dass die Alternative als "selbstbestimmt" und weniger risikoträchtig als der operative Abbruch angesehen werde, hatte Pro Familia schon in der Diskussion um die Einführung betont. Mitverantwortlich für die bevorstehende Einstellung von Mifegyne auf dem deutschen Markt seien die Sozialverwaltung und Gynäkologen, sagt Rademacher. In Berlin haben 80 Prozent der abtreibungswilligen Frauen wegen niedrigen Einkommens einen Anspruch auf Kostenübernahme. Die Erstattung für einen Mifegyne-Abbruch beträgt aber nur 375 Mark, während Ärzte dafür 500 bis 650 Mark verlangen - fast ebensoviel wie für einen operativen Eingriff. Für den geringeren Erstattungsbetrag seien Gynäkologen nicht bereit, Mifegyne zu verschreiben, heißt es bei Pro Familia. Allerdings hätten sich Ärzte-Vereinigungen auch nicht genügend für eine Erhöhung der Vergütung eingesetzt. Mit dem Stopp von Mifegyne werde Deutschland hinsichtlich der Wahlmöglichkeit bei Abtreibungen "ein Entwicklungsland".

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