Berlin : Milchkühe und Motorsägen

Am Freitag startet die 71. Grüne Woche. Ein Schwerpunkt ist in diesem Jahr die Forstwirtschaft

Moritz Honert

„Du grünst nicht nur zur Sommerzeit, nein, auch im Winter, wenn es schneit“. Der Schneefall blieb in der Hauptstadt diesen Winter zwar bislang aus, doch was über den Tannenbaum gesagt wird, gilt in zwei Tagen auch wieder für Berlin - bereits zum 71. Mal.

Am Freitag beginnt auf dem Berliner Messegelände wieder die „Grüne Woche“. Mehr als 1500 Aussteller aus über 50 Ländern präsentieren sich von da an bis zum 28. Januar auf der weltgrößten Verbrauchermesse für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau – dazu gibt es wie gehabt jede Menge kulinarische Spezialitäten aus Ländern von A wie Albanien bis W wie Weißrussland. Für Tier- und Pflanzenfreunde gibt es in der Internationalen Blumenhalle und auf der Teilmesse „Heim – Tier und Pflanze“ jede Menge zu entdecken.

Ein paar Änderungen gibt es: Die Öffnungszeiten der Messe wurden um eine Stunde nach hinten verlegt, einige Ausstellungbereiche vergrößert, andere zusammengelegt. So mussten einige altbekannte Aussteller umziehen. Die Produkt-Märkte „Bier“ und „Fleisch/Wurst“ beispielsweise sind in diesem Jahr gemeinsam in Halle 11.2 zu finden.

Neues gibt es auch zu entdecken. Gleich zwei Sonderschauen werden in diesem Jahr erstmals vorgestellt: „BerlinEnergy“ und „Multitalent Holz“, die sich mit alternativen Energien sowie nachwachsenden Rohstoffen beschäftigen und deren vielseitige Einsatzmöglichkeiten beleuchten. Destruktive Zeitgenossen werden sich über die Möglichkeit freuen, in der Halle einen Motorsägenführerschein machen zu können. Bei den Ausstellungen geht es jedoch um mehr als nur die Produktion von Brennholz: „Wir bemerken seit einigen Jahren, dass das Thema ’Der Land- als Energiewirt’ immer stärker an Bedeutung gewinnt“, erklärt Wolfgang Rogall, Sprecher der Messe Berlin, die neuen Ausstellungen. „Durch die Präsentation möchten wir den Bauern neue Einkommensmöglichkeiten aufzeigen.“ Darüber hinaus, sagt er, stieg in den vergangenen Jahren auch das Interesse des Publikums an Themen wie Nachhaltigkeit und Ökologie stetig. „Alles was mit Qualität von Nahrungsmitteln und Gesundheit zu tun hat, bewegt die Leute“. Dem sei die Messe mit ihrem Angebot nachgekommen: Um gesunde Ernährung kümmert sich die Sonderschau „Talking food“, die sich besonders an jugendliche Besucher wendet. Das Interesse an ökologischer Landwirtschaft bedient der Biomarkt, der in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag feiert. Und der Erlebnisbauernhof, auf dem sich Besucher über landwirtschaftliche Produktketten und artgerechte Tierhaltung informieren können, wurde noch einmal vergrößert – auf nun 6000 Quadratmeter.

Genauso groß ist die Ausstellungsfläche von Russland – wieder einmal der Riese unter den Ausstellern – der im vergangenen Jahr, als die Messe ihren 80. Geburtstag feierte, offizielles Gastland der Grünen Woche war.

In diesem Jahr gibt es nicht nur ein Partnerland, sondern gleich 23 aus der Europäischen Union. Die ist diesmal offizieller Partner, der sich in einer eigenen Halle präsentiert. Anlass ist die von Deutschland am 1. Januar für ein halbes Jahr übernommene EU-Ratspräsidentschaft. So findet auch die morgige Eröffnungsfeier unter dem Motto „Europas Regionen – fit für die Zukunft“, für die Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso ihre Teilnahme zugesagt haben, statt. Zum ersten Mal als Mitglieder der EU sind in diesem Jahr Rumänien und Bulgarien vertreten. Und mit ihnen viele andere Länder aus Mittel- und Osteuropa. Ein gutes Drittel der Aussteller stammt aus dieser Region der Erde. „Diese Länder schätzen die Grüne Woche als Marketingplattform“, sagt Rogall.

Als solche war die Grüne Woche in ihrem Gründungsjahr jedoch gar nicht gedacht. 1926 sollte die Messe eigentlich nur den „wilden Handel“ eindämmen, den Handwerker regelmäßig parallel zu den seit Ende des 19. Jahrhunderts jährlich veranstalteten Treffen der deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Berlin veranstalteten. Von diesen Treffen leitet sich auch der Name der Grünen Woche ab. Mit ihren grünen Lodenmänteln prägten die Landwirte damals nämlich jedes Jahr das Stadtbild. Mit rund 50 000 Besuchern war die Messe, in deren Geschichte insgesamt über 72 000 Aussteller aus 116 Ländern sich mehr als 29 Millionen Besuchern präsentierten, schon im ersten Jahr ein Erfolg.

Mit einem solchen rechnet Rogall auch zum 81. Geburtstag der Grünen Woche. Dass die Messe einmal mehr von einem Lebensmittelskandal begleitet wird, für den die Grüne Woche selbst nichts kann, störe das Publikum nicht, sagt Rogall. Letztes Jahr war es die Vogelgrippe, dieses Jahr ist es das Gammelfleisch. Nichts desto trotz erwartet Rogall erneut über 400 000 Besucher in den Messehallen in Charlottenburg.

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