• Millionenprojekt nördlich von Potsdam: Bundeswehr plant Schießplatz im Ausflugsgebiet

Millionenprojekt nördlich von Potsdam : Bundeswehr plant Schießplatz im Ausflugsgebiet

Auf dem Truppenübungsplatz in der Döberitzer Heide will die Bundeswehr einen Schießplatz bauen. Die Stadt Potsdam und die Umweltstiftung waren in die Planungen nicht eingebunden. Es gibt ersten Protest.

Stefan Engelbrecht
Vorsicht, Schusswechsel. Die Döberitzer Heide ist ein beliebtes Ausflugsziel. Dort plant die Bundeswehr eine Schießanlage.
Vorsicht, Schusswechsel. Die Döberitzer Heide ist ein beliebtes Ausflugsziel. Dort plant die Bundeswehr eine Schießanlage.Foto: dpa

Westlich vom Berliner Stadtrand wird wohl bald scharf geschossen: Die Bundeswehr plant, auf dem Truppenübungsplatz in der Döberitzer Heide einen Schießstand einzurichten. Die Anlage soll ab 2017 auf dem rund 600 Hektar großen Übungsplatz entstehen, mit mehreren Kurz- und Langbahnen für Schießübungen und kostet laut Bundesregierung mehr als 14 Millionen Euro. Nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt liegt die frühere Militärkaserne Krampnitz, wo in den kommenden Jahren ein neues Stadtviertel für Tausende Anwohner entstehen soll.

Den Bau setzt der Brandenburgische Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) im Auftrag der Bundeswehr um. Der BLB habe die „Anforderungen des fachlich zuständigen Bundesverteidigungsministeriums zu befolgen“, heißt es in einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Andrea Johlige. Trotz der geplanten Schießanlage sollen der Schutzstatus der Heidelandschaft und der Charakter der Döberitzer Heide unverändert bleiben. Sämtliche Sicherheitsabstände zu Wanderwegen außerhalb des Übungsplatz-Geländes sollen eingehalten werden. Laut BLB wurden im Dezember Schallschutz- und andere Umweltgutachten in Auftrag gegeben. Wann diese vorliegen, konnte eine Sprecherin noch nicht sagen.

Expedition ins Tierreich mit Heinz Sielmann
Ein morgendlicher Kranichzug über Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen leitet den Tag ein.Weitere Bilder anzeigen
1 von 40Foto: Sielmann-Stiftung
04.09.2010 01:38Ein morgendlicher Kranichzug über Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen leitet den Tag ein.

Auch das Finanzministerium hat zu der geplanten Anlage noch keine Informationen. Eine Sprecherin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr in Köln sagt, dass in der so genannten Sammelschießanlage auch Maschinenpistolen und -gewehre zum Einsatz kommen sollen. Sie soll für mehrere Kasernen in Berlin und Umgebung zur Verfügung stehen.

Heinz-Sielmann-Stiftung: Gibt es Auswirkungen auf die Tiere?

Die Stadt Potsdam allerdings war in die Überlegungen bislang nicht einbezogen. Die Erweiterungspläne seien „uns nicht bekannt“ gewesen, sagte Sprecher Stefan Schulz. Er verwies auf das Baugesetzbuch und die Regelungen für „Vorhaben der Landesverteidigung“, nach denen die Stadt nicht beteiligt werden muss. Zugleich sehe die Stadt die Diskussion um den Schießplatz entspannt, da der Truppenübungsplatz bereits seit Längerem existiert. Auch die bisherige Bundeswehr-Einrichtung habe keinen negativen Einfluss auf das Entwicklungsgebiet. Wie berichtete, nimmt die Zahl der Anwohner in Groß Glienicker immer mehr zu; weitere Neubauten sind auf dem ehemaligen Kasernengelände in Krampnitz geplant.

Das sieht eine Gruppe von Friedensaktivisten anders, die seit Jahren in Potsdam an den so genannten Montagsdemos teilnehmen. Für den 14. Februar habe die Gruppe an der Bundesstraße B2 eine Aktion gegen den Schießplatz geplant, sagte Initiator Jan Dahlgrün. Auch die Heinz-Sielmann-Stiftung, die sich dem Schutz von Pflanzen und Tieren verschrieben hat, ist gegen die geplante Anlage. Direkt neben dem Übungsplatz liegt ihre Naturlandschaft, die Stiftung hat das Gelände 2004 von der Bundeswehr erworben. Noch sei zwar nicht klar, wie sich ein Schießstand auf die Tiere auswirke, sagte der geschäftsführende Vorstand Michael Beier, fügt aber hinzu: „Die Frage ist doch, wer das laufende Gutachten bestellt und bezahlt.“

Die Naturerlebbarkeit werde durch den Schießstand in jedem Fall stark beeinträchtigt. „Zehn Jahre Naturschutzarbeit und 13 Millionen Euro an Spendengeldern fallen der Bundeswehr zum Opfer.“ Auch sei die Stiftung nicht dazu befragt worden. „Es muss irgendwann eine Anhörung geben“, fügte Beier hinzu. Er schlug vor, statt den Schießplatz in Lehnin im Nordwesten von Potsdam zu nutzen und auszubauen. Dann könne auf die Anlage in der Döberitzer Heide verzichtet werden. „Man sollte auch an die gute Nachbarschaft denken“, riet Beier. „Die Bundeswehr muss doch aus dem Widerstand gegen das Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide gelernt haben. Warum soll es jetzt nicht wieder eine Bürgerinitiative Freie Heide geben?“

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