Minikraftwerk : Strom von nebenan

Mini-Heizkraftwerke können Wohneigentümern bei der Erfüllung von Klimaschutzvorgaben helfen.

Stefan Jacobs
Minikraftwerk
Am Drücker. Energieagentur-Chef Michael Geißler am Minikraftwerk. -Foto: Thilo Rückeis

Grün und kleinstädtisch wirkt der Lindenhof. 90 Jahre ist die denkmalgeschützte Siedlung im Süden von Schöneberg alt. Ein wertvolles Beispiel früher Gartenstadtarchitektur. Und bis vor kurzem eine Energieschleuder mit unerfreulich hohen Heizkosten für die Bewohner.

An diesem Montag wurde der Beginn einer neuen Zeitrechnung gefeiert. Im Heizhaus, in dem Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), Michael Geißler als Geschäftsführer der Berliner Energieagentur sowie Norbert Reinelt von der Wohnungsgenossenschaft Gewo Süd sich um eine knapp schulterhohe schwarze Kiste versammelt haben: Ein Blockheizkraftwerk, das aus Erdgas gleichzeitig Strom und Wärme für 72 Wohnungen erzeugt. Ein Musterbeispiel für das vom Bund geförderte Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung, denn die Energie wird zu 95 Prozent ausgenutzt.

Da die Häuser zuvor – nach teils zähen Verhandlungen mit den Denkmalschutzbehörden – aufwendig energiesaniert wurden, brauchen sie ohnehin nur noch gut ein Drittel der zuvor benötigten Heizwärme. In Kombination mit dem hoch effizienten Blockheizkraftwerk ergeben sich nach Auskunft von Geißler nun monatliche Heizkosten von etwa 60 Cent pro Quadratmeter – ein Drittel weniger als im Berliner Durchschnitt. Und 80 Tonnen weniger CO2 pro Jahr.

Eine Lindenhof-Bewohnerin mit ihren beiden Kindern nimmt die Kiste symbolisch in Betrieb. Es brummt leise, und Geißler sagt: „Bis zu 150 000 solche Anlagen könnten in die Berliner Keller. 1,3 Millionen Tonnen CO2 könnten wir so vermeiden.“ Und nebenbei ein Problem lösen, das sich für viele Wohneigentümer in Gestalt des künftigen, noch nicht verabschiedeten Klimaschutzgesetzes abzeichnet: Sie werden ihre Heizungen nach einer Übergangsfrist wohl zu einem Teil mit erneuerbarer Energie speisen müssen – oder eben eine besonders effiziente Alternative installieren. Gegen dieses Vorhaben läuft die Wohnungswirtschaft bereits Sturm, aber Junge-Reyer stellt bei ihrem Besuch im Heizhaus klar: „Ein gewisser Zwang ist wichtig. Freiwillige Verpflichtungen reichen nicht bei allen Vermietern aus.“ Stefan Jacobs

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