Berlin : Minister will Vergleichstests streichen

Sechstklässler sollen entlastet werden

Potsdam - Überraschend hat Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) am Mittwoch die Abschaffung der landesweiten zentralen Vergleichsarbeiten in der sechsten Klasse in den Fächern Deutsch und Mathematik (ZVA 6) vorgeschlagen. Die Arbeiten sind umstritten, weil die Ergebnisse dieser prüfungsähnlichen Arbeiten in der Grundschule in die Halbjahresnote einfließen – die für die Bewerbung auf die Gymnasien wichtig ist. Die Praxis habe gezeigt, dass die Vergleichsarbeiten viel Stress bei Schülern, einen hohen Aufwand für Lehrer bedeuteten und als Steuerungsinstrument für den Zugang auf das Gymnasium nicht nötig seien, erklärte Rupprecht bei der Vorstellung eines „Qualitätspakets“ zur Verbesserung märkischer Schulen. Für die Abschaffung der ZVA 6 müsste der Landtag das Schulgesetz ändern. Bei den landesweiten Tests in diesem Jahr hatten in beiden Fächern Grundschüler der Landeshauptstadt am besten abgeschnitten, Schulen der berlinfernen, ärmeren Regionen dagegen signifikant schlechter.

Als Konsequenz aus schlechten Leistungen brandenburgischer Schüler, zuletzt beim bundesweiten Vergleich von Neuntklässlern in Englisch und Deutsch, setzt Brandenburg auf andere Wege. Das Qualitätspaket wurde in enger Abstimmung mit Professor Olaf Köller, Leiter des Leibniz-Instituts für Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel entwickelt, das den Ländervergleich durchgeführt hat. Für die Grundschüler der Klassen 1 bis 4 soll zum Schuljahr 2011/2012 etwa ein verbindlicher „Grundschatz“ eingeführt werden, der den Kindern vermittelt, aber auch getestet wird. Die Anzahl der Pflichtlektüren soll verbindlicher festgelegt, die Fortbildung für Lehrer ausgeweitet werden. Für Englisch sollen ab Sommer 2011 zehntägige Ferienakademien mit Muttersprachlern für 160 Teilnehmer angeboten werden. Brandenburg hat etwa 2000 Englisch-Lehrer, die teilweise DDR-Abschlüsse haben, teilweise auch nach 1990 berufsbegleitend umgeschult wurden. In 30 leistungsschwachen Schulen sind „Beraterteams“ aktiv. thm

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