Missbrauchsfälle an Jesuiten-Schule : „Wir klären schnell auf“

Das Erzbischöfliche Ordinariat hat schnell auf das Bekanntwerden der Missbrauchsfälle an der Jesuiten-Schule reagiert und am Donnerstagnachmittag zur Pressekonferenz geladen.

Ferda Ataman

Das Erzbischöfliche Ordinariat hat schnell auf das Bekanntwerden der Missbrauchsfälle an der Jesuiten-Schule reagiert und am Donnerstagnachmittag zur Pressekonferenz geladen. Auch die katholische Kirche empfinde „Scham und Entsetzen“, erklärte dort Domprobst Stefan Dybowski, der inzwischen Beauftragter des Erzbistums Berlin für Fälle sexuellen Missbrauchs ist. Der Bischof sei über die Vorfälle am Canisius-Kolleg informiert. Es sei nun wichtig, so Dybowski, dass kirchliche Einrichtungen „Sensibilität“ an den Tag legen, also Möglichkeiten schaffen, damit nicht weg- sondern hingesehen werden könne, wenn ein Verdacht auf Missbrauch besteht.

Eine unabhängige Beauftragtenstelle für katholische Schulen einzurichten, wie es am Canisius-Kolleg bereits der Fall ist, sei eine durchaus gute Anregung, so der Bistums-Beauftragte. Nach einem von der katholischen Bischofskonferenz 2002 beschlossenen Reglement müssen Fälle sexuellen Missbrauchs in katholischen Einrichtungen an eigens eingesetzte Beauftragte gemeldet werden. Das habe auch Rektor Klaus Mertes vom Canisius-Kolleg getan, als er 2004 und 2005 zum ersten Mal vom potenziell verjährten sexuellen Missbrauch an seiner Schule erfahren habe. Die Betroffenen hätten jedoch um absolute Diskretion gebeten. Wie mit seiner Meldung damals intern umgegangen worden ist, konnte Mertes am Donnerstag nicht sagen.

Die Jesuitenschule ist nicht in Trägerschaft des Erzbistums und steht allein in der Verantwortung des Jesuitenordens. Der Provinzial stehe hinter seinem Vorgehen, versicherte Mertes. Sein Orden hat 2007 eine Beauftragtenstelle für Missbrauchsopfer eingerichtet, deren Inhaberin Ursula Raue auch für das Canisius-Kolleg zuständig ist – womöglich eine Folge der damals nur intern bekannt gewordenen Missbrauchsfälle, die der Rektor gemeldet haben will.

Beauftragte Raue war bereits vorher für die internationale Organisation gegen Kindesmissbrauch, Innocence in Danger, engagiert. Mit Hinweis auf „repräsentative Erhebungen“ geht sie davon aus, dass 8,6 Prozent der Mädchen und 2,8 Prozent der Jungen irgendwann in ihrem Leben Opfer sexueller Übergriffe werden. Innerhalb des Jesuitenordens sei bereits vor einiger Zeit darüber informiert worden, dass es in der Vergangenheit „unzweifelhaft Fälle von Missbrauch von Jugendlichen beiderlei Geschlechts gegeben habe“, sagt Pater Mertes. Er sei deshalb der Meinung, dass jede Schule einen unabhängigen Ansprechpartner bieten muss, „ohne Loyalitätspflichten gegenüber der Institution“. Ferda Ataman

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