Berlin : Mit allen Mitteln gegen die Schaben

-

Die Berliner brauchen nicht zu fürchten, dass sich die Kakerlakenplage bis in ihre Stadt ausweitet. Für die Barnimer Kreisverwaltung ist das sicher, weil die Schaben nicht in Massen von der brennenden Müllkippe in Bernau flüchten könnten. „Es gibt keine große Abwanderung“, hieß es auf Grund der ständigen Untersuchungen der Amtsärztin. Einer Verschleppung der Tiere beugt man vor: Ohne gründliches Abspülen der Stiefel und Schuhe kommen kein Feuerwehrmann und kein Helfer von der Deponie. Auch die Reifen aller Fahrzeuge werden beim Herausfahren desinfiziert. Allerdings berichten Feuerwehrleute, dass die Tiere selbst in mit Klebeband hermetisch abgedichtete Einsatzanzüge krabbeln.

Die Müllkippe war schon lange vor dem Brand als Ursache einer Schabenplage in Bernau ausgemacht worden. Mittlerweile gibt es dazu zwei Gutachten, deren Empfehlungen teils schon umgesetzt wurden. So wurde ein acht Meter breiter Streifen an der Grenze zum Heizkraftwerk von Müll beräumt und mit Kies bestreut. Zudem wurden Betonröhren um die Kippe gezogen, bestreut mit pulverförmigen Chemikalien. „Wir holen millionenfach tote Tiere aus den Röhren“, sagt eine Expertin – und dennoch beobachten Anwohner des Wohnviertels Gieses Plan wie vor dem Brand das eklige Gekrabbel.

In einem zweiten Gutachten für das Gesundheitsamt gibt es weitergehende Vorschläge. Der Recyclinghof sollte in einem Kilometer Entfernung neu aufgebaut werden, möglichst unter Ausnutzung eines Bachlaufes oder Waldes als natürliche Grenze. Denn Kakerlaken wollen nicht durchs Wasser – und im Wald werden sie von Ameisen gefressen. Zudem müsse die Lagerzeit des Müll auf sechs bis neun Wochen verkürzt werden, dies entspreche dem Entwicklungszyklus der Schabe. Derzeit leben die Tiere im Müll bereits ein bis zwei Jahre. Experten sagen, dass überlebende Schädlinge am Rande der Flammen auf neuen Müll warten. Ha/ste

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben