Berlin : Mit den Waffen der Polizei

Die „Antifaschistische Aktion Berlin“ sucht mit einem parodistischen „Fahndungsplakat“ nach Zeugen angeblicher Polizeiübergriffe

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Die Zeiten, in denen bei Autonomen und Linken das Chaos regiert, sind wohl vorbei. Ihre Auftritte unterscheiden sich kaum noch von denen anderer Lobbygruppen: So reicht die linke „Antifaschistische Aktion Berlin“ (AAB) auf Pressekonferenzen Wasser und Kekse. Ihr Sprecher tritt medienwirksam vor einem roten Transparent mit wehenden Flaggen auf. Und auch ihre neue Protestform hat die AAB vom Gegner abgekupfert.

Gestern stellten die Antifaschisten – einer der Initiatoren der randaleträchtigen „Revolutionären 1. Mai-Demo“ ein „Fahndungsplakat“ vor, auf dem Polizisten bei Festnahmen am 1. Mai abgebildet sind (Auflage: 4000 Stück). Auf den 15 Bildern gehen die Beamten nicht gerade sanft zur Sache. Mal haben sie einen Demonstranten im Schwitzkasten, mal tritt ein Polizist zu. Im Duktus polizeilicher Steckbriefe ruft die AAB Zeugen dieser angeblichen Übergriffe dazu auf, die Beamten zu identifizieren. „1000 Euro Belohnung“, heißt es da. Ein schelmisches Lächeln konnte sich AAB-Sprecher Michael Kronwetter bei der Präsentation nicht verkneifen. Natürlich richtet sich die Aktion auch gegen einen offiziellen Steckbrief der Polizei, mit dem diese seit wenigen Wochen 53 mutmaßliche Krawallmacher der letzten 1.-Mai- Demo sucht. Für Kronwetter eine „Kriminalisierung des Widerstandes“.

Die Berliner Polizei findet die Aktion gar nicht witzig. Sie sieht einen Verstoß gegen Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Beamten und hat Ermittlungen eingeleitet. Es lägen keine Anhaltspunkte vor, dass diese Straftaten begangen hätten, sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch. Die CDU attackiert zudem einen „Schulterschluss“ von PDS und „Linksextremisten“. Auf dem Plakat ist nämlich die Telefonnummer der PDS-Fraktion im Abgeordnetenhaus als Kontaktadresse angegeben. „Das war nicht abgesprochen“, sagt dazu der PDS-Abgeordnete Steffen Zillich. In einem Punkt stimmen Revoluzzer und der rote Koalitionspatner allerdings überein. Beide fordern die Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte. tob

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