Berlin : Mit der Bahn in die Luft gehen

Mit dem Flughafenbahnhof soll Leipzig zum „Berliner Luftkreuz“ werden – doch bisher fehlt eine Direktverbindung

Klaus Kurpjuweit

Kaum hatte Hartmut Mehdorn am Montag den neuen 110 Millionen Euro teuren Flughafenbahnhof in Leipzig eröffnet, klafften Anspruch und Wirklichkeit der Bahn in selten direkter Anschaulichkeit auseinander. Während der Bahnchef im neuen Zentralterminal des Flughafens die Vorzüge einer Zusammenarbeit zwischen Flughafen und Bahn lobte, rollte der erste Intercity unten auf den Gleisen mit zehn Minuten Verspätung ein, nachfolgende Züge fielen ganz aus – und auf dem Bahnsteig gab es keinerlei Informationen zu den Zugausfällen.

Die verpatzte Premiere ist nicht der einzige Schönheitsfehler des Bahnauftritts am Flughafen, der nach Mehdorns Vorstellungen zum „Berliner Luftkreuz“ werden soll. Zwar sollen Mehdorns Züge – wenn der Berliner Hauptbahnhof-Lehrter Bahnhof wie geplant im Sommer 2006 in Betrieb ist – Berlin und Leipzig künftig in einer Stunde Fahrtzeit verbinden – wie im Vorortverkehr. Doch viel schneller werden Berliner auch dann nicht an der Startbahn sein. Denn die Fahrt endet auch weiterhin am Leipziger Hauptbahnhof. Wer zum Flughafen will, muss dort oder in Halle umsteigen.

Nur Flughäfen mit einem Bahnanschluss haben nach Ansicht des ehemaligen Lufthansa-Chefs Heinz Ruhnau, der heute Aufsichtsratsvorsitzender der Mitteldeutschen Flughafen AG ist, im Jahr 2020 noch eine Chance auf dem Markt. In Berlin sei man derzeit dabei, diese zu zerreden. Es gibt Bestrebungen, vor allem bei der PDS, beim Ausbau Schönefelds zum Flughafen Berlin-Brandenburg-International (BBI) auf den vorgesehenen neuen Bahnhof zu verzichten, der wie in Leipzig direkt unter dem neuen Terminal liegen soll. Fluggäste könnten dann in knapp 20 Minuten vom Hauptbahnhof direkt ins Abfertigungsgebäude fahren. Allerdings passt der Flughafenbahnhof nicht ins Fernverkehrskonzept der Bahn. Ob daher auch die schnellen ICE-Züge unter dem Flughafen halten würden, ist derzeit noch ungewiss. Im Moment gibt es vier Flughäfen in Deutschland mit Anschluss ans Fernverkehrsnetz der Bahn. Auch Schönefeld gehört derzeit zu den ICE-Stationen. Dort halten die Züge der Verbindung München – Berlin – Hamburg.

Billiger als ein neuer Airport-Bahnhof, der mehr als 200 Millionen Euro kosten soll, wäre es, eine Verbindung vom bestehenden Bahnhof Schönefeld zum neuen Flughafengebäude zu schaffen, ist die PDS-Abgeordnete Jutta Matuschek überzeugt. Eine automatische Bahn würde hier ihrer Einschätzung nach reichen. Der jetzige Bahnhof müsste allerdings auch mit Millionenaufwand modernisiert werden, um attraktiver zu werden. Für die Flughafenplaner ist der Bahnhof unter dem Terminal deshalb unverzichtbar.

Auch Leipzig muss vorläufig auf ICE-Verbindungen zum Flughafen verzichten. Derzeit halten dort nur Intercityzüge aus Richtung Dresden und Magdeburg sowie Regionalzüge. Ruhnau forderte Berlin erneut zur Zusammenarbeit mit den mitteldeutschen Flughäfen auf, zu denen neben Leipzig/Halle auch Dresden gehört. Nur zusammen sei es möglich, interkontinentale Flüge zu erhalten. Würden die Aktivitäten weiter zersplittert, entstünde eine Lage wie in Oberitalien, wo es trotz der vorhandenen Wirtschaftskraft keinem Flughafen gelungen sei, eine Drehkreuzfunktion zu entwickeln.

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