Berlin : Mit der Zeit

Werner van Bebber

Ja, doch, das Eishaus vom Potsdamer Platz weist architektonisch und städtebaulich den Weg. Mehr Gebäude dieser Art, und die Stadt wird wieder Avantgarde. Temporäre Architektur, Bauen und Wohnen auf Zeit, je nach Erfordernis – das ist der Gegenwart und der Zukunft angemessen. Das Altbauidyll mit dem liebevoll restaurierten Stuck an der Decke und dem Mietvertrag von 1981 – das war gestern. Morgen wohnt man anders, abenteuerlich, sich immer neu erfindend und erlebend: Im Winter zwischen Eisblöcken oder im Iglu, aus Tiergartenschnee rasch zusammengestellt. Im Frühling, wenn die Kraft der Sonne die Iglus und Eishäuser schmelzen lässt, wird dann um- und neugebaut. Wie wäre es, wenn die Stadt ihr Problem mit dem ICC einfach dadurch löste, dass man alle Türen öffnet und dann sieht, was passiert? Vielleicht siedeln sich Studenten dort an und bilden hordenhafte internationale Wohngemeinschaften. Große Kongresse könnten in Jurten-Ansammlungen stattfinden, wie man sie aus Ulan-Bator kennt. Die alten Berliner Streitereien um Traufhöhen, Wohnberechtigungsscheine oder Fehlbelegungsabgaben – niemand wird sich mehr drum kümmern in der Nomadenstadt Berlin.

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