Berlin : Mit Heilen Geld verdienen

Charité-Chef Ganten will Zentren zusammenlegen und Leistungen vermarkten

Ingo Bach

Die Charité soll mehr Geld selbst verdienen, um die kommende finanzielle Durststrecke zu überstehen. Das ist eines der Ziele der bevorstehenden Strukturreform. Sie soll die mehr als 130 Kliniken und Institute der Charité zu 17 Zentren vereinen. Das Konzept sollen die Mitarbeiter des Universitätsklinikums bis zum kommenden Februar ausführlich diskutieren. Der Charité-Vorstandsvorsitzende Detlev Ganten weiß, dass er ein Unternehmen mit einem international bekannten Namen leitet, der sich gewinnbringend kommerzialisieren lässt. „Ich will das Unternehmen Charité mit der Universitätsklinik Charité versöhnen“, sagte Ganten dem Tagesspiegel.

Hintergrund: Das Land streicht bis 2010 98 Millionen Euro Zuschüsse für Forschung und Lehre. Außerdem sinken die mit den Krankenkassen vereinbarten Budgets für die Krankenversorgung bis 2010 um schätzungsweise weitere 150 Millionen Euro. Und diese Verluste gilt es nun auszugleichen.

So plant das Universitätsklinikum ein eigenes Zentrum für klinische Studien, wo neue Medikamente getestet werden. In diesem Therapieforschungszentrum will Ganten die jetzt auf viele Stationen verteilten klinischen Studien im Auftrag der Pharmaindustrie zentralisieren. Denn mit den immer komplexeren Medikamenten werde auch der Anspruch an die Studien, die für die Zulassung einer neuen Arznei nötig sind, immer größer. „Das kann kein Chefarzt mehr allein schaffen“, sagt Ganten. Das Ziel: „Wir wollen mehr Studien für die Industrie erbringen und damit natürlich auch Geld verdienen.“ Auch das Zentrum für Labormedizin soll künftig Dienstleister werden, zum Beispiel für den landeseigenen Klinikkonzern Vivantes. „Das zentrale Charité-Labor wird in Berlin sicher das technisch am besten ausgestattete diagnostische Zentrum sein“, sagt Ganten.

Der Name Charité soll auch für Aus- und Weiterbildung kommerzialisiert werden. „Anderswo auf der Welt ist das eine heiß begehrte und teuer verkaufte Dienstleistung – in Deutschland dagegen ist dies noch viel zu oft gratis“, meint Ganten. Für diese Dienste will das Universitätsklinikum eine Charité-Akademie aufbauen. Dabei könnte möglicherweise die umstrittene Tochterfirma GDL („Gesundheitsdienstleistungs-GmbH“) die organisatorische Hülle bieten. Die Firma ist eine Tochtergesellschaft der Charité mit 70 Angestellten. Sie übernahm für die Universitätsklinik bisher unter anderem die Abrechnung von ausländischen Patienten. Doch weil die Charité wegen Korruptionsvorwürfen alle bestehenden Dienstleistungsverträge gekündigt hat, sieht die GDL derzeit einer unsicheren Zukunft entgegen.

Bei anderen Fachdisziplinen, die zu Zentren vereint werden, zum Beispiel zu einem Tumor-Zentrum, gehe es weniger ums Geldverdienen, sagt Ganten, sondern um effizientere Managementstrukturen. Es sei schwierig, 130 selbstbewusste Professoren auf einen Kurs zu bringen. Nach der Reform habe der Charité-Vorstand nur noch 17 Leiter der einzelnen Zentren als Ansprechpartner. So sei es einfacher, alle auf einen gemeinsamen Weg zu bringen, glaubt Ganten. „Ob sich dabei auch Wirtschaftlichkeitsreserven erschließen, das muss sich zeigen.“

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