Berlin : Mit Musik durchs alte Berlin

Susanne Oschmann bietet ganz spezielle Stadttouren an

Carsten Niemann

Von Zeit zu Zeit stoppen aufmerksame Polizeibeamten ein kleines Auto, das verdächtig langsam durch das nächtliche Berlin rollt. Dann haben die Gesetzeshüter eine gewisse Susanne Oschmann bei der Vorbereitung ihres neuesten Coups ertappt. Eines völlig legalen Coups, denn die Verdächtige ist Spezialistin für historische und musikalische Stadtrundfahrten. Ende der 90er Jahre wagte die Kunsthistorikerin, Literaturwissenschaftlerin und promovierte Musikwissenschaftlerin den Schritt in die Selbstständigkeit – und füllte mit einer Rundfahrt, in der sie Berlin als „Musikstadt“ entdeckte, eine Marktlücke. Seitdem hat sie nicht nur einen Geschäftspartner gefunden, sondern ihr Angebot auf Tagestouren zu Schlössern und Parks des Umlands erweitert. Timing, das weiß Susanne Oschmann, ist nicht nur in der Musik alles: Deswegen fährt sie oft bis auf die Ampelphase genaue jene Tour mehrfach ab, bevor sie ihre Gäste im Reisebus durch die Hauptstadt und das Umland lotst.

Mit ihrer neuesten Rundfahrt will Susanne Oschmann Antworten auf eine Frage geben, bei der selbst viele Ur-Berliner passen müssen: Wie wurde Berlin eigentlich Berlin? Von den Sümpfen, in denen sich die Flecken Berlin und Cölln in mittelalterlichen Zeiten zur Doppelstadt vereinigten, bis hin zu den rauchenden Schloten von „Feuerland“ (Berlins Industriegebiet der Gründerzeit) erzählt sie anschaulich die Erfolgsgeschichte eines ehrgeizigen Emporkömmlings unter den europäischen Hauptstädten. Dabei ist es der ehemaligen FU-Dozentin wichtig, Teile des Geschichtspuzzles zusammenzufügen, anstatt eine Datenflut über ihr Publikum auszukippen. Das ist sichtlich angetan von den liebevoll-ironischen Schilderungen aus dem Leben einiger historischen Personen, mit denen die Stadtführerin ihre Touren schmückt.

Und dann ist noch die Musik: Die akribisch recherchierten Tonbeispiele knüpfen das emotionale Band zwischen derb-frommen Mönchen, komponierenden Königen und protestierenden Proletariern. Kein Wunder also, dass sich mancher Zuhörer nach der Drei-Stunden-Tour im Bus so fühlt, als sei er zu Hause – in den Gassen des alten Berlin.

„Wie Berlin Berlin wurde“: wieder am 21. März und 25. April; jeweils 11 Uhr, Karten und Infos unter Telefon 7821202 und www.schoene-kuenste-exkursionen.de

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