Berlin : Mit Nuss-Schalen gegen Schmierereien

Charlottenburg-Wilmersdorf testet ein neues Anti-Graffiti-Gerät – Straftäter sollen es bedienen

Cay Dobberke

Als erster Bezirk testet Charlottenburg- Wilmersdorf jetzt ein neues Gerät, um Graffiti von öffentlichen Gebäuden zu entfernen. Es ähnelt einem Staubsauger und funktioniert mit Schleifpartikeln aus Kunststoffgranulat oder Hochofenschlacke – und sogar mit geriebenen Walnuss-Schalen. Nach einer ersten Vorführung zeigte sich Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) beeindruckt.

Der rund 4600 Euro teure „Tornado ACS“ stammt von der Firma Systeco aus Lübben. Als größte Besonderheit nennt Geschäftsführer Uwe Dyballa die einfache Bedienung: Anders als bei Hochdruckstrahlern brauche man keine Schutzkleidung und könne auch Innenräume ohne großen Aufwand säubern.

Das Bezirksamt will zunächst ein Gerät ausleihen und zwei Wochen testen. Dann wird der BVV-Bauausschuss über den Kauf entscheiden. Bereits im Dezember hatte Stadtrat Gröhler eine große Aktion zur Graffiti-Entfernung im Bezirk angekündigt. Damals kannte er die Technik aus Lübben noch nicht und schätzte die Kosten mit herkömmlichen Mitteln auf 100 000 Euro. Prompt gab es Kritik in der Bezirksverordnetenversammlung. Die Grünen beantragten, das Geld für die „überfällige Renovierung“ von Toiletten in Schulen und Kitas auszugeben.

Jetzt nimmt das Bauamt an, im ersten Jahr mit 12 000 Euro auszukommen – den Kaufpreis des „Tornado“ eingerechnet. Dafür ließen sich insgesamt rund 2000 Quadratmeter Wandfläche säubern. Später könnten 8000 Euro jährlich genügen, heißt es.

Um auch die Personalkosten zu minimieren, sollen Straftäter im Zuge eines Resozialisierungsprojekts die Apparate bedienen. Laut Gröhler hat sich die Straffälligen- und Bewährungshilfe als Partner angeboten. Nach einer kurzen Anleitung könne jeder Beteiligte rund sechs Quadratmeter pro Stunde von Schmierereien befreien. Gleich nach der Säuberung sollen Schutzschichten gegen das erneute Beschmieren aufgetragen werden – ganz altmodisch von Hand.

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