Berlin : Mit Stau in die Woche: Polizei macht die City zur Festung

Berliner Autofahrer müssen beim Staatsbesuch des israelischen Präsidenten mit Umleitungen rechnen

Christoph Stollowsky

Staatskarossen im Konvoi, Polizeiabsperrungen, Demonstrationen: Beim Besuch des israelischen Präsidenten Moshe Katzav herrscht auch für Autofahrer Ausnahmezustand. Von Sonntag bis Dienstag erwartet die Polizei am Kurfürstendamm sowie zwischen Großem Stern und Rotem Rathaus immer wieder Staus.

Auf der Straße des 17. Juni und Unter den Linden wird der besonders gefährdete Staatsgast mehrmals unterwegs sein, wobei sich die Polizei vorbehält, „kurzfristig andere, benachbarte Routen zu wählen und die Zeiten zu ändern“. Möglicherweise wird sie auch mehrere Konvois gleichzeitig über verschiedenene Strecken schicken, um potentielle Attentäter zu verwirren. Autofahrer sollten den gesamten Bereich großräumig umfahren – zumal auch Demonstrationen angekündigt sind.

Die NPD wird am Montag ab 17 Uhr allerdings nicht wie geplant vom Bahnhof Friedrichstraße aus Unter den Linden und über die Straße des 17. Juni zum Hotel Interconti an der Budapester Straße marschieren, wo der israelische Präsident logiert. Innensenator Ehrhart Körting setzte am Sonnabend eine alternative Strecke durch. Sie liegt „noch in Citynähe, aber abseits von den Routen des Staatsgastes“, so ein Sprecher des Senators. Ursprünglich hatte sich Körting vorgenommen, die Rechtsextremen wie schon in den vergangenen Jahren in östliche Randbezirke abzudrängen, doch dieses Ziel gab er offenbar auf.

Wie berichtet, hat die NPD einen Umzug unter dem Motto „Hände weg von Palästina“ angemeldet. Auf ihrer Wunschstrecke befürchtete die Polizei Zusammenstöße mit Gegendemonstranten, die gleichfalls Demonstrationen angemeldet haben. Außerdem soll kein Unbefugter dem Interconti nahe kommen. Deshalb wird die Budapester Straße voraussichtlich bis Dienstag für Autos gesperrt.

Staatspräsident Moshe Katzav wird am heutigen Sonntag gegen 18 Uhr in Tegel erwartet. Danach setzt sich seine Kolonne in Richtung Ku’damm in Bewegung und hält vor dem Jüdischen Gemeindehaus zum Empfang. Zwischen 12 Uhr und 23 Uhr ist die Fasanenstraße deshalb heute gesperrt. Dazwischen gehört sie den Sicherheitskräften, die von Scharfschützen bis zu verschweißten Gullys alles aufbieten, um Anschläge zu verhindern. Gäste müssen drei Stunden vorher erscheinen. Andernfalls bringen sie nicht rechtzeitig alle Safety-Checks hinter sich .

Am Montag besucht Katzav den Bundespräsidenten im Schloss Bellevue, danach Gerhard Schröder im Kanzleramt, anschließend fliegt er zum KZ Sachsenhausen, das ganztägig geschlossen bleibt. Der Dienstag ist Berlin vorbehalten: Am Vormittag besucht er die Bibliothek der verbrannten Bücher am Bebelplatz, eilt ins Rote Rathaus und zum Brandenburger Tor. Gegen 13 Uhr fliegt der Gast in Tegel wieder los.

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