Mitte : Charité-Sanierung wird immer teurer

Die Klinik will ab 2010 das Bettenhochhaus erneuern. Die dafür geplanten 130 Millionen Euro könnten allerdings nicht reichen. Nun dürfte die Debatte, ob ein Neubau nicht günstiger ist, erneut entfachen.

Ingo Bach

Das 27 Jahre alte Bettenhochhaus der Charité in Mitte soll ab dem kommenden Jahr saniert werden – und das wird wahrscheinlich teurer als geplant. In der Antwort auf eine kleine Anfrage von Heidi Kosche (Bündnis 90/Grüne) teilte die Senatswissenschaftsverwaltung jetzt zwar mit, dass die Sanierung des Hochhauses 2010 beginnen und 2014 abgeschlossen sein soll. Dies werde insgesamt 129,5 Millionen Euro kosten. Doch bisher hatte es die Charité vermieden, die konkreten Kosten für die geplante Sanierung des 82 Meter hohen Wahrzeichens zu veröffentlichen. Und das wohl aus gutem Grund: Denn offenbar ist die jetzt genannte Summe schon wieder überholt.

Die Zahl in der Senats-Antwort stammt aus einem Planungsgutachten der Charité vom Frühjahr 2008. „Die Kalkulation für das Bettenhochhaus wird derzeit überprüft“, sagt Charité-Sprecherin Kerstin Endele. Experten erwarten, dass die dann errechnete Summe deutlich über dem alten Ansatz liegen wird.

Das wiederum dürfte die Debatte um einen Neubau statt einer Sanierung neu entfachen. Im Nordosten Berlins ist das Beispiel eines Klinikbaus zu besichtigen, der von der Bettenzahl, den Fachabteilungen und den dort stationär versorgten Patienten in etwa vergleichbar ist mit dem Bettenhaus in Mitte. Das vom Klinikkonzern Helios in Buch 2007 eröffnete Gebäude hat 200 Millionen Euro gekostet.

In der Senatswissenschaftsverwaltung geht man davon aus, dass die kalkulierte Summe von 129,5 Millionen Euro noch immer gelte. „Wir haben keine Signale, dass höhere Baukosten anfallen könnten“, sagt Behördensprecher Kenneth Frisse. Offenbar würde die Verwaltung Mehrausgaben auch nicht akzeptieren – und droht mit Konsequenzen. Die Charité verlange, dass der Senat Geld für die Ausschreibung von Generalplanung und Projektsteuerung der Sanierung freigebe, sagt Frisse. Doch dies sei nur vertretbar, wenn das Universitätsklinikum weiter von der ursprünglichen Prognose ausgehe.

Unterdessen verabschiedet sich die Charité von einem Prestigeprojekt des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Detlev Ganten. Der hatte vor zwei Jahren angekündigt, dass man das Bettenhochhaus um sieben Etagen auf über 105 Meter aufstocken werde, um hier Gesundheitsfirmen und Charité-Ausgründungen Büroräume zu bieten. Dieses Projekt sollte rund 32 Millionen Euro kosten. Doch unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Karl Max Einhäupl wurde das Vorhaben nun offenbar kassiert. Nach Angaben aus der Charité wären die Kosten nicht zu finanzieren gewesen. Ingo Bach

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